Mama

Gepostet vor 11 Jahren, 1 Monat in #Misc #Kids #Storys

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Wisst Ihr, mit Mamas ist das so eine Sache. Es gibt gute und schlechte und ich kenne beide, meine biologische nämlich und meine echte, meine einzige Mama. Die ist nicht perfekt, keinesfalls: sie trinkt, schubweise, so alle 2 Monate haut sie sich die Rübe zu, dass es nicht mehr feierlich ist. Morgens schon liegt sie auf der Couch und pennt und man weiß was los ist. Sie ist dann für die nächsten 2 Wochen nicht ansprechbar und kotzt das Klo zusammen und wenn es ganz übel aussieht muss dann auch der Notarzt her, weil sie vor lauter Trinkerei nichts ißt. Aber sie ist eine gute Mama, denn sie gab mir in meinen frühen Jahren das, was wichtig ist. Nämlich Liebe.

Von meiner anderen Mama, meiner biologischen - also von der Frau, die mich geworfen hat - weiß ich nichts, gar nichts. Nur, dass ich nicht sofort nach der Geburt abgegeben, sondern erst 1,5 Jahre später vom Jugendamt rausgeholt wurde. Was auch immer da vorgefallen sein mag, ich will es nicht wissen, ich habe nicht das geringste Interesse daran. Die Macht der Verdrängung ist nicht umsonst eine immense und man kann wirklich nicht sagen, ich hätte so etwas wie eine unglückliche Kindheit gehabt, ganz im Gegenteil.

Vielleicht aus diesen Gründen, ganz sicher sogar aus diesen Gründen, ging mir dieses Erlebnis von vor nun gut 90 Minuten so zu Herzen. Ich fuhr mit dem Zug von meiner Arbeitsstelle in Frankfurt nach Hause, hatte den iPod auf Anschlag und er sang Lieder von Tomte und den Decemberists, ich trank eine Dose Jack-Daniels-Coke so wie ich es jeden Freitag zur Einstimmung ins Wochenende tue. Bäume und Häuser flogen am Fenster vorbei und ich las eine Textsammlung von Trueman Capote. Alles schön, alles gut.

Ich schaute mich um im Zug und sah diagonal hinter mir eine Mutter mit einer Tochter, nicht älter als vier Jahre, die gerade über die Sitzbank nach hinten mir direkt in die Augen sah. Wie es mir zur Gewohnheit geworden ist, schnitt ich eine (wohl schauerliche) Grimasse, und das Kind lächelte (trotzdem) und ich wand mich wieder meinem sehr guten Buch zu.

Wenige Minuten später höre ich das Schreien. Das Geschrei und Geheule eines Kindes drang durch die Kopfhörer an meine Ohren und ich wand mich um um nach dem Rechten zu sehen, da sah ich diese traurige Szene, die mir einen Klumpen im Hals verursachte:

das kleine Mädchen steht zwischen den Sitzen und schreit und weint und schaut seine Mutter an, die an die Decke starrt und das Kind mit keinem Blick würdigt. Der Blick der Mutter ist gar nicht mal genervt, sondern gleichgültig. Das Kind schreit seine Seele um Aufmerksamkeit aus dem Leib und die Mutter... starrt weiterhin an die Decke, schaut das Kind genervt an und kümmert sich mit keinem Körnchen Seele um den vier Jahre alten Brocken Leben, der da darum schreit, von seiner Mutter wenigstens wahrgenommen zu werden. Ich bin einigermaßen schockiert, denn die Mutter wendet sich mit aller Macht der Körpersprache von ihren Kind ab, und ich muntere das Mädchen mit einem weiteren feixenden Grinsen auf und siehe da: es hört sofort auf zu weinen. Eine Geste, die ich wohl lieber bleiben hätte lassen, denn als ich mich wieder meinem Buch widme schreit das Mädchen und es weint es schon wieder hinter mir und als ich mich erneut umwende, sehe ich, wie die Mama der Kleinen eine Backpfeife verpasst, damit sie doch endlich und bitte das Maul halten soll.

Ich bin... sauer!

"Entschuldigen Sie, aber die Art und Weise, wie Sie mit Ihrem Kind umgehen stimmt ganz und gar nicht... wissen Sie, in einem Film, der mir gerade nicht einfällt sagt eine Tochter zu ihren Eltern: 'Ihr müsst mich lieben, ihr habt die Pflicht dazu! Ihr schuldet mir das'. Dieses Zitat möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben und ihre Tochter verdient ihre Liebe und Aufmerksamkeit deshalb, weil sie Ihre Tochter ist."

Will ich sagen, kann es aber nicht. Stattdessen schaue ich dem Mädchen in die Augen, schneide diesmal keine Grimasse, sondern schaue einer Vierjährigen erst in die Augen und sie lächelt. Sie lächelt. Dieses Lächeln war mir mehr wert als jede Konfrontation mit der Mutter. Diese bemerkte natürlich meine Solidarität mit ihrer Tochter und blickte verwirrt durch die Gegend, scheinbar schauen die Menschen normalerweise weg in diesen Situationen, die garantiert nicht das erste mal vorkam. Man kann es ihr ansehen, dieser Mama, das diese Situation keine Ausnahme, sondern den Alltag darstellt und ich stelle ihn mit Blicken in Frage. Ich fixiere die Mama des Mädchens noch eine Weile, versuche ihr alleine durch Kraft meiner Gedanken meine Botschaft in die Gehirnwindungen zu hämmern: "Liebe Deine Tochter, Liebe Deine Tocher! Es ist Deine Pflicht!" Und ich wette meinen Arsch darauf, dass sie versteht. Irgendwie. Irgendwo.

Als die beiden aussteigen schaut Mama noch ganz verwirrt rechts und links an mir vorbei ohne meinen Blick zu treffen, die ihren hektischen Augen fixiert. Ich denke allerdings nicht, dass ich in ihrer Familie nur durch Blicke etwas verändern konnte. Leider.

Aber die Kleine, die ging zum Zugausgang, drehte sich zu mir um und STRAHLTE mich an! Und dieses Strahlen aus diesem vierjährigen Gesicht werde ich niemals wieder vergessen. Niemals. Vielleicht erinnert sie sich ja in ein paar Jahren daran, dass es nicht nur Arschlöcher auf der Welt gibt.

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