Von Konzernen, Werbung, Kommerz und Blogs

Okay. Okay. Ich habe mich bis hierhin zurückgehalten, kann aber nicht mehr. Mir geht einiges auf meinen haarigen Saque mit den Blogs. Ich bin nicht wütend, sauer oder angepißt, kann aber sagen, dass mir einiges an den Entwicklungen, die derzeit durch die deutsche Blogosphäre geistern, nicht paßt.

Die Opel-Aktion, die war ja noch lustig. Schon damals regten sich manche auf, klar, und mir erschien das überreagiert und piefig. Die Cola-WG war schon eine Nummer größer, zwar langweilig und fade, bis auf die Intermezzos der geschätzten MC vs. Nilz-Contests, dennoch eine Aktion, die Blogger vor die Karren von Konzernen spannt, die international in der Kritik stehen. Und dann kein Wort darüber. Ich hatte was dazu im Kopf, Johnny kam mir aber zuvor.

Wisst Ihr, ich hatte schon jede Menge Gelegenheiten Postings zu Produkten von kritisierten Konzernen zu posten. Bei Apple habe ich immer aus komischen Gründen eine Ausnahme gemacht, aber die, zugegebenermaßen, genialen Werbeaktionen von Coke oder Nike habe ich immer ausgelassen. Immer. Warum? Weil ich ein komisches Gefühl dabei im Bauch hatte, deswegen. Die wundervoll gestalteten Coke-Flaschen von 5? 6? Designagenturen beispielsweise mit der dazugehören und wirklich guten Flashsite beispielsweise. Ich hatte das Teil schon hier im Backend und hab's wieder gelöscht. Warum? Genau darum.

Der gelöschte Eintrag beim Popkulturjunkie zeigt nun überdeutlich, wohin die Reise geht mit dem Blog-Sponsoring. Werbung in Blogeinträgen wird gnadenlos gemonitort und bei Nichtgefallen beanstandet. Wenn der Blogger dann so konsequent ist, wie der Popkulturjunkie, löscht er den Eintrag. Warum also sollte ich so einen Beitrag posten? Wegen der Kohle? Scheiß drauf. Das hier ist mein Spielplatz und da kackt mir niemand Werbung drauf!

Ich bin angemeldet bei den Google Ads. Ich habe lange überlegt. Ungefähr bis zu dem Zeitpunkt, als 3 oder 4 Tage nach Anmeldung die drängelnde Frage von Googles Seite ankam, warum ich denn die Google Ads noch nicht implementiert habe? Nun ja, habe ich geantwortet, ich weiß nicht, ob mir der Zwanni im Monat eine Verschandelung durch Werbung wert ist. Sofort, nach dem ich die Antwort geschrieben hatte, war mir bewußt geworden, dass ich es sehr wohl weiß: mir ist mein Blog zuviel Wert, als dass ich darin Werbung zulassen könnte. Mein Blog wird werbefrei bleiben.

Kommerz und Revolution, ich habe das miterlebt, damals, beim ollen Techno. Ich habe miterlebt, wie das simple Sponsoring von Camel der Techno-Szene den Todesstoß gegeben hat. Denn Techno ist nicht daran zugrunde gegangen, dass auf einmal Menschen in Müllwesten die Loveparade überschwemmten, sondern dass sich Musik von Industrie vereinnahmen ließ in einem Einvernehmen zwischen Chartverträglichkeit und Pseudo-Innovation. Deshalb, oder aber vielleicht auch deshalb, weil die Protagonisten (Marusha, DJ Dick, Westbam) dieser berliner Kommerztechnofraktion es einfach nicht besser konnten. Genau deshalb spielt Jeff Mills heute mit dem Pariser Symphonieorchester. Das funktioniert und das nicht und wird es nie.

Man kann Blogs kommerzialisieren, keine Frage. Dazu müssen sie zwingend journalistischen Anspruch entwickeln und exklusive Inhalte veröffentlichen. Ob man dies dann noch Blogs im eigentlichen Sinne nennen kann, ich weiß nicht. Ich weiß es nicht.

Was ich weis: ich bin nicht käuflich.