Inspired by a friend

Gepostet vor 11 Jahren, 1 Monat in #Misc #Life #Storys

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Wisst Ihr, vor 2 Monaten bin ich dreißig geworden. 30! Vor ein paar Jahren habe ich immer gesagt, mit dreißig wolle ich mich umbringen, aber das ist jetzt natürlich keine realistische Option mehr, ich behalte den Gedanken aber für Zeiten im Hinterstübchen, in denen gar nix mehr geht.

Denn wißt Ihr, ich bin zwar dreißig, wirklich erreicht habe ich aber nichts. Gar nichts. Verdammt, ich habe nichtmal einen Schulabschluss. Ich bin während der neunten Klasse von der Hauptschule geflogen, weil ich nie da war. Ich habe ein Abgangszeugnis voller 5en und 6en, das ließ ich verrotten bei einem Freund, der es in einer ausgeliehenen Jacke fand. Natürlich wollte er es mir zurückgeben - und hat mich wegen der Noten auch ziemlich entsetzt angeschaut und wollte darüber reden - aber ich wollte weder darüber reden noch das dämliche Zeugnis zurück. Hat mich das gejuckt? Ehrlich gesagt, nein. Kein Stück. Heute finde ich keine Arbeit und gehe auch nicht davon aus, dass ich jemals welche finden werde. Einen Führerschein habe ich nicht, nie gemacht, einerseits, weil die Kohle fehlt, andererseits, weil ich mit 15 Jahren den Golf des Bruders eines Kumpels an die Wand gesetzt habe. Und 15 Jahre später wohne ich immer noch im Anbau meines Elternhauses in dem Zimmer, in dem ich voraussichtlich bis zum Ende wohnen bleiben werde. Man kann also sagen, dass ich schon ziemlich viel Scheiße gebaut und keinerlei Perspektive für die Zukunft habe.

Ich bin der lebende Antipol meiner Schwester. Meine Schwester trinkt nicht, sitzt grade, hat einen Job (Arzthelferin) und einen Verlobten (Controler). Mein Vater liebt meine Schwester, mein Vater haßt mich. Wir gehen uns oft aus dem Weg, zeigen aber nach außen, vor allem auf Familienfesten, was für dicke Buddies wir sind. Aber eigentlich, eigentlich haßt er mich. Mit Sicherheit hat das etwas damit zu tun, dass ich das Ergebnis aus einer Liason meiner Mutter mit einem Rivalen war. Diesen "Makel" hätte ich vielleicht ausgleichen können, wäre ich nicht in allen anderen Belangen ein solcher Hängie geworden, vielleicht ist es aber auch so, dass ich genau das wollte. Was weiß ich.

Mein Weg ist klar, war er schon immer. Ich bin einer dieser Menschen, die sehr gut mit Menschen können, echt, ich kann mich mit allen anfreunden, egal wer sie sind. Ich verstehe mich gut mit meinem Yuppiekumpel und seiner Frau, ich verstehe mich super mit meinem intellektuellen Buddie, der die ganze Zeit was vom Internet erzählt, ich verstehe mich gut mit den Rocker-Kumpeln von meinem anderen Hängie-Kollegen, wisst Ihr, ich bin ja nicht alleine, nur weil ich nichts auf die Reihe kriege. Aber dieses Geschick mit anderen Menschen verschafft mir noch lange keinen Job. Für kurze Zeit habe ich als Ein-Euro-Jobber die Friedhof gepflegt und Grünanlagen beschnitten, das ist aber auch vorbei. Das Amt hat einfach gesagt "Is gut jetz." Meine Kohle bekomme ich immer noch. Insgesamt 534 Euro, weil wir das Amt wegen des Wohngeldes bescheißen, besser als nichts, zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Das meiste von meinem Geld investiere ich in Haschisch. Ich verrauche so circa einen Zwanni pro Tag, macht bei 30 Tagen im Monat runde 600 Euro. Also verticke ich ein bischen was und mache so meinen Schnitt, Essen macht Mama. Ansonsten lebe ich so in den Tag hinein, das erste Bier ist um 14 Uhr fällig, also kurz nach dem Aufstehen. Bis zum Abend werde ich circa 6 Biere getrunken haben. Und dann geht es erst richtig los.

Zum Glück bin ich nicht so veranlagt wie der R., der eine mächtige Plauze bekommen hat, obwohl er im Gegensatz zu früher mittlerweile wirklich kürzer tritt, wohl auch deshalb, weil er sich bei uns nicht mehr allzuoft blicken läßt. Was soll ich sagen? Ich kann ihn gut verstehen, sehr gut sogar. Wir kriegen nichts auf die Reihe, sind zwar nett dabei, aber das macht diesen Sog in die Tiefe, den wir verbreiten nicht weniger anziehend. Will man wirklich etwas aus seinem Leben machen, sollte man nicht mit Typen wie uns rumhängen, davon bekommt man allerhöchstens ein paar schlechte Gewohnheiten, wahrscheinlich bescheißen wir Dich dann noch beim Shit-Kauf. Wir sind der coole Morast, in dem wir versinken. In ein paar Jahren werden wir die Typen sein, die vor dem Arbeitsamt an der Trinkhalle einen zischen und ich habe kein Problem damit, ich weiß, wer ich bin.

Ich weiß, dass ich nicht dazugehöre zur schönen, neuen Welt und ganz ehrlich: ich kann mit ihr auch nix anfangen. Wie war das? Wir sind der singende, tanzende Abschaum der Welt? Nun ja, mit Singen und Tanzen hab ich's ja nicht so, aber an der Sachen mit dem Abschaum, da ist schon was dran.

(Bevor Fragen auftauchen: der Typ ist erfunden, aber nicht frei erfunden, der ist, wie Frankensteins Monster, zusammengestückelt aus mehreren Menschen aus meinem früheren Umfeld, ich hab sie immer noch gern, diese Hängies, bin aber mittlerweile weitergezogen.)

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