Landesfarben und sowas...

Bei dem Thema muß man ja vorsichtig sein. Hängt man sich eine Flash-Fahne auf die Seite kann das, wenn sie die falsche ist, seltsame Kommentare zur Folge haben. Das Problem dabei ist, dass die falsche im Moment die des Mutterlandes ist.

Ich habe mir eine deutsche Flagge ins Blog gepappt und bin nun zwei- oder dreimal dafür angefeindet worden. Eigentlich will ich mich nicht rechtfertigen oder erklären, vor allem nicht vor solchen Trollen, die meinen, zu allem und jedem eine pöbelnd-ablehnende Haltung haben zu müssen und dann tatsächlich denken, das wäre Punk oder sowas.

Aber das Thema gibt einem zu denken. Weil ich sie verstehe, die Bedenkenträger und Kritiker. Ich kann sie gut nachvollziehen, die Argumente, die sagen, dass Nationalismus und Patriotismus ein gefährliches Gut ist und ich kann die Argumente auch deshalb gut nachvollziehen, weil ich viel über deutsche Geschichte gelesen habe und weiß, das Deutschland aufgrund seiner Historie zu einem übersteigerten Nationalismus neigt, denn das vielbeschworene Wir-Gefühl ist kein Problem, das wir erst seit dem Beginn der WM haben.

Die Kurzfassung: Deutschland nämlich, und das muss man wissen, entstand aus einem Jahrhunderte während des Hickhack, in dem Bündnisse entstanden und fielen, hunderte Großherzogtümer, Königreiche und Grafschaften vereinigt und wieder zerrissen wurden im Feuer unzähliger Kriege. Deutschland bombte sich also selbst ständig zusammen und auseinander bis zur Gründung des Norddeutschen Bundes 1871 der bis zur Kapitulation im ersten Weltkrieg bestand hatte. Nach seiner Auflösung wurde die Weimarer Republik ausgerufen, die sich wiederum selbst auflöste und so den Boden ebnete für die Gräueltaten der NSDAP unter Reichskanzler Adolf Hitler.

Alles gute Gründe, einem deutschen Staatengebilde nicht allzuweit über den Weg zu trauen, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Einfluss der Ereignisse vor rund 60 Jahren immer noch einen gehörigen Impact auf die Psyche der Deutschen hat, schließlich wurde meine Mutter mitten im Krieg in eine verwüstete Welt hineingeboren, was wiederum enormen Einfluß auf meine Erziehung hatte. Wegen all dieser Dinge empfinde ich immer ein gewisses Unbehagen, wenn ich in Nicht-WM-Zeiten an Kleingartenanlagen vorbeifahre, in denen an jeder zweiten Hätte die deutsche Fahne weht.

Dennoch hänge ich schwarz-rot-gelbe Farben in mein Blog und tatsächlich bin ich auch auf einige Dinge stolz dieser Tage:

Ich bin stolz darauf, dass unser Team endlich anständigen Fußball spielt und vielleicht, mit Glück, aber das gehört dazu, sogar Weltmeister wird.

Ich bin stolz darauf, dass unser Land es tatsächlich schafft, das Bild, das man im Ausland von uns hat und das wir auch selbst nur allzugerne breittreten, gründlich auf den Kopf zu stellen. Die Deutschen feiern und freuen sich an dem Spektakel, so wie man es vorher niemals für möglich hielt.

Ich bin stolz darauf, dass Deutsche ohne Befang die Landesfahnen zur Unterstützung der Mannschaft schwenken und dies eben in keinerlei Zusammenhang mit Politik geschieht.

Ich bin nicht stolz darauf, Deutscher zu sein. Stolz im Zusammenhang einer Nationalität ist absurd, Nationalität ist dem Zufall unterworfen und auch nationale Symbole sind mir eher suspekt. Nur um diese Dinge einmal klarzustellen. Gehe ich ganz weit, so ist mir das Konzept "Staat" ohnehin suspekt und in einer besseren, von John Lennon besungenen Welt, gäbe es weder Nationen noch Religion, Dingen also, die Menschen trennen.

Aber: die WM, deren Gastgeber wir sind, bringt Menschen zusammen. Man feiert und tröstet die Ausgeschiedenen und feiert weiter. Die WM ist dank Wettkampfes eine Veranstaltung, die alle Nationen an einen Tisch bring. Genauso wie Olympia, und mich freut es, zu sehen, wie hier olympischer Geist vorherscht: Dabeisein ist alles.

Und an diesem Tisch der Nationen die Kennzeichnung durch die Landesfarben befremdlich zu finden ist einer, mir wie gesagt sehr verständlichen, überempfindlichkeit zu schulden. Die deutsche Fahne ist bei dieser Veranstaltung kein Symbol der Nation, sondern des Teams, das nur ein Teil des Spektakels darstellt. Das Fahnenmeer ist kein Ausdruck von Nationalismus, sondern von Liebe zum Spiel, denn es ist eingebettet in alle anderen Farben und stellt dar, was es ist: ein Teil der Welt.

Nichts mehr, nichts weniger.