Gut gelaunt

06.06.2006 Misc
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Super Wetter heute, neue Sneakers und neue Jeans tragend, die Kappe umgedreht und ausgeschlafen blinzle ich in die Sonne. Den Zug erreiche ich ohne Hetze, auch der überfüllte Bahnhof macht mir gar nix. Heute bin ich mit dem richtigen Fuß aufgestanden und mein Lächeln ist nicht zu erschüttern. Gut gelaunt betrete ich also die Postdienststelle am Hauptbahnhof, um die fünf letzten Tauschaktionen abzuschließen, wenn alles gut läuft ist das Album diese Woche noch vor dem ersten Anpfiff voll, und der Gedanke daran steigert meine Laune nochmal um circa 20%.

Ich warte also und warte in der Schlange, während die Postbediensteten in gähnend langsamen Tempo die Kunden abfertigen. Endlich bin ich dran und schreite gutgelaunt an den Schalter, wohl etwas zu voreilig wie mir scheint, denn die Postfrau verzieht sich erstmal in die hinteren Räume, um die wichtigen Dinge zu erledigen, die zu erledigen sind. Macht ja nüscht, der rechte Schalter wird grade frei, aber der Postbedienstete greif in aller Seelenruhe zunächst zu seinem Handy und verzieht sich in die hinteren Räume, um die Anrufe zu tätigen, die zu tätigen sind.

Wie schön, dass die Postbedienstete ihre wichtigen Aufgaben erledigt hat, denn sie erscheint in der Tür und stutzt, als sie mich sieht, mit 5 Briefen in der Hand am Schalter stehend. Scheinbar habe ich ihr Aufruf-Hoheitsrecht ("Der nächste bitte") mißachtet, in dem ich einfach an den freien Schalter stiefelte, jedenfalls kommt sie mit herabhängenden Mundwinkeln an den Schalter und missachtet mein fröhliches Hallo und Lächeln völlig.

"Die fünf gehen als Warensendung."
"Briefe als Warensendung geht nicht."
"Doch doch, liebe Frau, das geht, letzte Woche hat das ein Kollege von Ihnen sogar vorgeschlagen, ich wusste gar nicht, dass das geht."
"Briefe als Warensendung geht nicht, wäre ja ganz was neues."

Mein Lächeln bleibt auch bei dieser sich anbahnenden Konfrontation offen und herzlich, denn ich kann ja nix für die schlechte Laune der Frau.

"Wissen Sie, das geht deshalb, weil da ja keine Briefe drinne sind, sondern nur Panini-Klebebilder. Fußball? Sammelbilder? Sie verstehen?"

Sie versteht nicht, schüttelt nur den Kopf und zieht die Mundwinkel noch ein kleiner Stückchen weiter nach unten, während ich mir ein Grinsen nicht verkneifen kann, bin ich doch Launentechnisch klar im Vorteil und habe die Fakten ebenfalls auf meiner Seite, wie der guten Frau auch gleich ein Kollege bestätigt: "Klar geht das, wenn Waren drin sind."

Sie druckt die Briefmarken-Ersatzmosaike aus und klebt sie, nein, hämmert sie wütend auf die Briefe, die keine Briefe sind, sondern Warensendungen. Ich bezahle meine 2,25 Euro mit einem Fünfer und ich sehe, wie sie das Wechselgeld in meine Richtung auf den Tresen schleudern will, überlegt es sich aber dann doch anders und schüttet mir das Wechselgeld in die Hand. Ich bedanke mich nochmal recht herzlich und lächle sie nocheinmal an und für den Bruchteil einer Sekunde sehe ich, wie sie völlig aus der Fassung gerät und ansatz-, aber auch nur ansatzweise zu einem Lächeln ansetzt, das Ganze bleibt allerdings beim Versuch, aber immerhin.

Zufrieden gehe ich meiner Wege. Am Ende der Woche habe ich mein Album voll. Ich lächle.