Zurückgeblieben

Sehr kluger Text in der TAZ, der No-Go-Areas und Rütli-Schulen zusammenbringt:

Die Angstzonen in Berlin-Neukölln, dem Wedding oder in Ostdeutschland haben mehr miteinander zu tun, als viele wahrhaben wollen. Seit zwanzig Jahren, spätestens seit der Wende 1989, sind ganze Stadtviertel und Regionen von der Reichtumsproduktion und damit von den Freuden des Konsums ausgeschlossen. Wer eine Aufstiegsperspektive für sich sieht, egal ob Migrant oder Deutscher, sucht, so schnell er kann, das Weite und den Anschluss an prosperierende und konsumfreudige Regionen.

Zurück bleiben Sozialmilieus, die nur noch wenig mit den materiellen Standards und kulturellen Codes der tonangebenden Mittelschichten verbindet. In keiner der Zonen, die es in den zurückliegenden Monaten in die Schlagzeilen schaffte, liegt die reale Arbeitslosenrate unter 30, 40 Prozent. Die Menschen wissen längst, was kein Politiker öffentlich zugeben mag: Die Gesellschaft braucht einen Großteil der Bevölkerung in diesen Angstzonen nicht mehr. In der Ökonomie gibt es keinen Platz für sie. Heute nicht und auch morgen nicht - nicht einmal in der Armee. Die Ära der Bauhelfer, Bandarbeiter, Gabelstapelfahrer, Stahlkocher, Bergleute und Infanteristen ist Geschichte.

(via Mercedes)