Don't go!

Ich weiß, das Thema wird etwas strapaziert zur Zeit, aber es ist zu wichtig.

"No-Go-Areas darf es nicht geben", sagte Schäuble. "Es gibt keine Zonen in der Bundesrepublik Deutschland, in denen das Gewaltmonopol des Staates nicht gilt."

Wie Bleed aber nun leider und richtig anmerkt, ist etwas, das es nicht geben darf, durchaus längst Realität, nur eben nicht gerne gesehen. Da hilft es auch nicht, verzweifelt festzuhalten, es gäbe keine Zonen in Deutschland, in der das Gewaltmonopol des Staates nicht gälte. Dem ist nämlich mitnichten so. Im Januar erst gab es in einem Nachbarkaff ein rechtsradikales Konzert, die Skins nahmen die Halle auseinander, pöbelten Nachbarn an und die Zweihundertschaft Polizisten schaute zu und griff eben nicht ein, wahrscheinlich, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Da schrumpft doch das Gewaltmonopol zu einem Gewaltoligopol, sprich, eine Meute rechtsradikaler Glatzen kann durchaus für ein paar Stunden das Gewaltmonopol auf seine Seite ziehen. Und bei diesem Gedanken wird mir schlecht.

Daniel Cohn-Bendit sieht das anscheinend ähnlich:

Natürlich gilt grundsätzlich immer das Gewaltmonopol des Staates. Nur ist der Staat mit seinen Organen nicht in jedem Moment an jeder Stelle. Ein rassistischer Vorfall passiert schnell und die handelnden Personen sind genauso schnell wieder weg. Deswegen ist diese Aussage des Innenministers einfach ein Nullsatz.

Vor ein paar Tagen war es dann soweit, da sagte mal einer, dass es durchaus Gegenden in Deutschland gäbe, in die man als dunkelhäutiger Mensch mal lieber nicht fährt. Und schon wieder heulten die Betroffenen auf, winselten ob der Pauschalisierung, der Verallgemeinerung und der Übertreibung, warfen dem Mann sogar Volksverhetzung vor - DAS muss man sich ja mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich sag Euch was: solange Ihr nicht aufsteht, Euren Saustall aufräumt und die Nazis , „die Jungs, die doch noch Kinder sind und das alles gar nicht so meinen“, in die Pflicht zum Leben in Respekt und Akzeptanz und meinzwegen auch Toleranz Andersdenkender, Andersaussehender oder Andersvögelnder Menschen nehmt, solange sage ich, es gibt tatsächlich Gegenden in diesem Land, in denen dank stummer Zustimmung die rechten Gewalt ein Zuhause gefunden hat.

Der HR2-Tag fragte die Vorsitzende der Amadeo Antonio Stiftung - übrigens mit der Website Mut-gegen-rechte-Gewalt neben Spreeblick ebenfalls für den Grimme Online Award nominiert - danach, ob es denn tatsächlich No-Go-Areas in Deutschland gäbe und diese antwortete wie aus der Pistole geschossen mit „natürlich gibt es die“ und auf den Wunsch einer Konkretisierung musste sie zugeben, eine Aufzählung von Ausnahmen fiele ihr leichter. Und Ausnahmen bestätigen die in diesem Fall rechte Regel, wie man weiß.

Ich weiß. Deutschland ist ein schönes Land. Als ich neulich im ICE nach Berlin gefahren bin, konnte ich mal wieder die wirklich beeindruckenden Landschaften begutachten, am Rhein entlangfahren. Doch, wir haben ein tolles Land hier und 95% der Menschen hier drinne sind bestimmt ganz töfte, nette Leute. Und deshalb will ich mir von diesen 5% Arschlöchern nicht die Stimmung vermiesen lassen und fordere hiermit auf, jeden rassistischen Vollspacken auch nur bei der kleinsten rechten Entgleisung mit aller Argumentationsmacht an den Karren zu fahren. Dieses Pack muss spüren, dass es hier bei uns keinen Platz gibt für rassistische Vorurteile oder gar Gewalt.

Das sieht Herr Cohn-Bendit, schon wieder, ganz ähnlich:

Drehen wir zur Fußball-Weltmeisterschaft den Spieß um. Rufen wir dazu auf, dass die Menschen aus ihren Fenstern, aus ihren Wohnungen Transparente hängen, die jeden willkommen heißen und deutlich machen: Wir sind für eine bunte Republik. In ganz Deutschland, nicht nur in den Gegenden, in denen es häufiger zu Gewalttaten kommt. Damit würden wir zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen gegen Rassismus ist. Wir müssen die Stimmung umdrehen, wir müssen Licht ins Dunkel bringen.

Solange diese Stimmung nicht zustande kommt, können sich die Faschos sicher fühlen, und jeder der schweigt, macht sich schuldig.