Harald und ich

15.05.2006 Misc
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Mit Behinderten hatte ich nie zu tun. Gut, der eine Sohn der einen Bekannten unserer Familie war ein bischen zurückgeblieben, aber ich weiß noch sehr genau, dass er sich genauso über den Speed unsererSchlitten bei der 5 Kilometer langen Abfahrt im Odenwald freute wie ich und heute hat er Frau und Kind.

So vor 10 Jahren fing ich an, Taxi zu fahren, um mein eigentlich üppiges Auszubildendengehalt aufzubessern, um mir noch mehr Platten leisten zu können. Eines Tages hieß es, ich solle zum nahegelegenen Pflegeheim fahren, und den Haraldabholen. Der sei geistig schwerbehindert und würde jede Woche übers Wochenende nach Hause gebracht. Bei dem Gedanken, einen Spasti zu fahren war mir nicht ganz wohl, aber wie ich so bin, trat ich über diese innere Grenze, legte den ersten Gang ein und nach wenigen Kurven traf ich vor dem Pflegeheim ein und da war er schon. Ein 2 Meter großes Riesenbaby mit entgleisten Gesichtszügen grinste erst in den Himmel und dann mich freundlich an. Kaum war er im Taxi gesessen, grapschte er schon meine Hand. Die Pfleger sagten, dass sei normal und beim schalten solle ich ganz einfach schalten.

„Okaaaaay, René, da musst Du jetzt durch" dachte ich und fuhr los. Was mir an Harald auffiel war, dass er sich über alles freute. Er freute sich über das Taxi, die Straße und die Sonne. Er freute sich über Kinder und Alte und alle dazwischen. Wenn wir losfuhren freute er sich, wenn wir anhielten auch. Wenn es grün wurde freute er sich ganz besonders und drückte nochmal feste meine Hand und ich gab Stoff, und da jauchzte er schonmal vor Freude. Manchmal freute er sich so sehr, dass er mir auf den Beifahrersitz pinkelte. Das roch zwar streng, machte aber nix, denn ich wusste, einen so freundlichen Menschen, so offen und herzig, triffst Du im Leben nicht wieder. Stimmte aber nicht, denn ich fuhr ihn ein halbes Jahr lang, jeden Freitag vom Pflegeheim nach Hause. Seitdem aber, und dass stimmt, habe ich keinen so freundlichen, offenen und herzigen Menschen wie ihn getroffen. Ich frag mich, was Du heute so machst Harald?

Ach, was frag ich. Du freust Dich wahrscheinlich!