Meine Rosanne Barr Geschichte oder die Nacht in der ich meinen Führerschein verlor

Gepostet vor 10 Jahren, 3 Monaten in Misc Share: Twitter Facebook Mail

Manchmal bin ich ein echter Trottel. Was Trinken und Fahren angeht auf jeden Fall. Ich war da nie zimperlich und meinen Führerschein verlor ich zu Recht. Es war irgendwann im Jahr 1999.

Auf Ebay ersteigerte ich einen ganzen Haufen Hörspielplatten von einer Sternenfee, so ihr Nickname. Die E-Mail-Kommunikation läßt auf einen wirklich sympathischen Menschen schlieüen, der Name "Sternenfee" tut sein übriges. Sowas läuft wie das läuft: "Schöner Nickname, kommst Du wirklich von den Sternen?" - "Aber klar, habe auch ganz viel Sternenlicht." - "Ach" - Bla bla bla... Der nächste, logische und konsequente Schritt war die Telefonnummer. Angerufen. Stimme. Passt. 34. Auf alten Öfen lernt man kochen. Haha.

Wir telefonierten immer öfter, und an diesem Abend, an dem ich angetrunken nach Hause komme und Lust verspüre, sie nochmal anzurufen, fand irgendein doofer Hund in mir die Idee ganz toll, betrunken zu fahren und lieber unterwegs zu telefonieren. Gedacht, getan. Hinters Lenkrad geklemmt, aus dem Kaff hinaus mit ihr an der Strippe. Es wird ein kurzes aber lustiges Gespräch, in dem wir zum ersten mal beschließen, uns auch mal im echten Leben zu treffen. Sie wohnt in Augsburg und ich solle doch demnächst einfach mal runterfahren. Klar. Mach ich. Logo. Ich denke auch, so ein echtes Blind Date sei doch mal ganz witzig und überzeuge sie, mir kein Foto zu mailen. Ein Fehler. Doch an diesem Abend habe ich davon keine Ahnung, fahre betrunken durch die Gegend, gebe auf der Bundesstraße noch mal richtig Stoff, weil um 2 Uhr nachts weit und breit kein Auto zu sehen ist und auf der langgezogenen Linkskurve, die in die Ortseinfahrt mündet, ganz einfach wunderbar zu rasen ist. Ich geb Gas und will Spaß und überhole mit 160 km/h... eine Polizeistreife.

Was nun folgt ist klar. Blaulicht. Anhalten. Führerschein. Pusten. 1,2 Promille. Schlecht. Auf der Wache Blut abnehmen lassen und um 3 Uhr nachts nach Hause trampen mit der Gewissheit, so richtig richtig richtig in die Scheiße getappt zu sein. Meine Sternenfee werde ich trotzdem besuchen.

Ich buche eine Zugfahrt nach Augsburg, bezahle dafür nen Arschvoll Geld, fahre dafür aber das erste mal mit nem ICE. Auch schön. Ich habe meine Lederjacke an, meine Sonnenbrille auf und sehe einfach völlig cool aus. Sollte reichen für meine Sternenfee. Der Zug fährt ein, sie wird mich am Bahnsteig erwarten. Ich schaue aus dem Fenster und sehe... Rosanne Barr steht da und beobachtet den einfahrenden Zug. Natürlich nicht Rosanne herself, aber wenn man die Sternenfee beschreiben wollte, wäre die Nennung dieses Namens die einfachste und genaueste Möglichkeit. Rosanne ist die einzige am Bahnsteig, also muss sie wohl die Sternenfee sein. Na gut.

Ich steige aus, wir begrüßen uns und sie bemerkt sofort, im Bruchteil einer Milli-Sekunde, an einem gewissen Ausdruck in meinen Augen, der vielleicht auch von der durchaus lustigen Vorstellung von Ihr in der Luft schwebend mit einem Zauberstab und Flügeln ausgestattet herrührt, dass sie... nun ja... nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte. Wir haben uns dennoch gut unterhalten, eine Flasche Wein geleert und ich muss zugeben: ja, ich hab's versucht. Sie hatte aber keine Lust auf einen Einfach-So-Fick. Am nächsten Tag gab es noch selbstgemachte Canneloni und ich muss sagen, kochen konnte sie. Und ich war raus.

Genau so habe ich meinen Führerschein wegen Rosanne Barr versoffen.

Tags: Storys

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