Der Tag, an dem ich beinahe Petra Roth gestürzt hätte

12.05.2006 Misc #Storys

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Müde falle ich aus dem Zug, die gestrigen Überstunden und die zwei Feierabendbiere, die ich nach 0 Uhr getrunken habe, stemmen sich gegen meinen Kopf und dazu spielt Radiohead sein "Where I end and you beginn". Ich schaue dieser Tussi auf den Hintern, während ich vom Bahnsteig meinen gewohnten Weg in Richtung Obststand einschlage. "Einen mittleren Obstsalat bitte". Der Typ kennt mich, aber scheinbar nicht das T-Shirt, dass ich heute trage. "Cheney's got a gun" steht darauf und der amerikanische Vizepräsident ist mit einem doppelläufigen Schrotgewehr abgebildet. Der Obstsalattyp starrt auf das Shirt und meint nur: "Irgendwie passt das nicht..." woraufhin ich "Doch, doch... Aerosmith - Janie's got a gun... kennst Du doch" entgegne... rückwärtslaufend...

Der Obstgartentyp meint noch "Na jaaaa, aber so richtig nicht..." und ich "Doch doch, da gibt's ein Mashup..." was den Obstbaumtypen aber nun völlig überfordert und ich sage "Egal. Tschü. Bis morgen." und drehe mich um...

Ich stehe circa 2 cm von einer riesigen Frau entfernt, kann ihr (für ihr Alter erstaunlicherweise nicht zu dick aufgetragens) Parfum riechen. Sie hat sich komisch aufgebaut. Im Grunde wie ein Mann steht sie da, wie ein Fels, die Arme verschränkt und beachtet nicht mich - obwohl ich nach wie vor 2 cm vor ihrer Nase stehe - sondern die Baustelle gegenüber, zeigt dahin und gestikuliert. Ich denke noch - huch! Die schaut aber schon aus wie die Petra Roth (die Frankfurter Oberbürgermeisterin, Anm. des. Autors). - weiche endlich aus und gehe weiter und bemerke plötzlich einen Typen mit Walkie Talkie, der scheinbar entwarnt und dann noch einen, der nickend zustimmt und auf einmal sind um mich herum jede Menge Anzugträger, ein Kamerateam und 2 süße Praktikantinnen, die ebenfalls mein Shirt begutachten.

Da wird mir klar: das WAR Petra Roth. Die aus dem Fernsehen, die immer mit der deutschen Nationalmannschaft auf dem Römer erscheint. Und die Anzugträger waren wohl die Leute, die man "Entscheidungsträger" nennt. Die Walkie-Talkies gaben wohl wirklich Entwarnung, weil ich eben nicht in die Frau Roth hineingerannt war.

Im Nachhinein schade, dass ich nicht mit ihr zusammengestoßen bin. Dann hätte die Überschrift den revolutionären Touch von "Der Tag, an dem ich Petra Roth stürzte", am Bahnhof wäre mal ein bischen was los gewesen und ich hätte noch mehr zu erzählen. Aber knapp daneben ist auch vorbei. Nochmal Glück gehabt, Frau Roth.