Cleverle

Hut ab. Was Julio da immer wieder bloggt gehört tatsächlich zum Besten in ganz Bloggershausen:

"Wirtschaft heißt dann: "Alles kann beim Geschäfte machen getan werden, so lange es Gesetze decken." Das Wirtschaftsverständnis hinter solchen Äußerungen ist eines, welches das Leitmotiv der ehrenwerten Kauffrau, des anständigen Geschäftsmanns zwar als einen individuellen Spleen gelten lässt, diesen aber eben keinen Anspruch auf Verbindlichkeit im Wirtschaftsalltag zubilligt. Damit wird wirtschaftliche Tätigkeit in einer spezifischen Weise interpretiert, und zwar sowohl als Handelsmaxime als auch als Beschreibung der Realität:

"Du musst selber aufpassen, wenn du mit mir Geschäfte machst, denn du bist erwachsen. Ich werde versuchen, dich so weit wie möglich über den Tisch zu ziehen, und du musst so klug sein, das zu erkennen. So ist nun mal die Welt und ich bin nicht die Caritas."

Eine Tugend, die in ihrer Wertschätzung, noch gar nicht so alt ist, wird damit als Vorbild menschlichen Handelns (im doppelten Sinne) etabliert: Cleverness. Sie hat schon länger als Vorbild für das Verhalten in der ökonomischen Sphäre die Tugend der "Fairness" und der "Anständigkeit" abgelöst.

(...)

Denn welches Argument auch immer benutzt wird - der eigene Anteil daran, ob man eine Tugend in Kraft setzt, ob man mit seinem Verhalten in der Wirtschaft exemplarische Situationen schafft, von denen andere wieder beeinflusst werden, wird interessanterweise chronisch unterschätzt:

Was als Tugend gilt (sei dies nun menschliche Großzügigkeit, Mut, Klugheit, Sanftmut, Freundlichkeit etc.) und sich Geltung verschafft, ist die Entscheidung von Menschen. Das Phänomen der Tugend ist niemals ausgestorben, es ändert sich lediglich die kulturelle Einschätzung, was als Tugend und was als Untugend gilt: Unsere abendländische Tradition legt uns zwar bestimmte Tugenden nahe, aber letztendlich ist die Auswahl unbegrenzt."