LA Week: From Hollywood Boulevard to Malibu

25.03.2006 Misc #LAWeek

Share: Twitter Facebook Mail

Elvis und Marylin stehen vor dem Kodak-Theatre und freuen sich über die Aufmerksamkeit. Schaut man ganz genau hin, sieht man die fahrigen Bewegungen der Schauspieler unter ihren Perücken, ihrer Schminke und unter den Kostümen. Sie und ich wissen: es sind nur drittklassige Komparsen in einem viertklassigen Spiel um Touristen, die um unsere Blicke betteln und die vom Moloch schon verschlungen, verdaut und auf den Boulevard geschissen wurden. Auf diesem Flecken zeigt sich das Drama dieser Stadt, die glitzernden Riesenplakate rufen einem vom Kodak-Theatre ihre Versprechungen zu.

Ein Drummer sitzt auf dem Boden und haut auf Plastikeimer und Pfannen und jongliert mit seinen Sticks. "If you can do that then don't pay me", Hardcore-Gothics stelzen mit hellgrünen Kontaktlinsen in Richtung Club. Ein Souvenierladen reiht sich an den anderen die alle, ALLE dieselben Produkte verkaufen und in den Seitenstraßen taumeln die Junkies im Crackwahn. Pomp und Schlamm, Glamour und Banales trifft hier aufeinander, Zahnlose Penner im American Diner neben der Nutte mit der lila Perücke neben dem Business-Menschen. Ein faszinierendes Panoptikum menschlicher Extreme und menschlichen Mittelmaßes verdichtet sich auf dem Walk of Fame zu einem grellen, blendenden Tanz.

Man stolpert über Bud Costello, Burt Reynolds oder John Ford. Dort vorne legt sich ein Mädchen auf den Boden neben John Travoltas Stern während 5 Meter weiter ein alter Mann im Rollstuhl um Wechselgeld bettelt. Ich gebe ihm einen Dollar.

Vom Hollywood Boulevard erreicht man fast nahtlos den Sunset Boulevard, auf dem sich Club an Club und Restaurant an Restaurant reiht, in denen ein Bier 10$, eine Flasche Wein 50$ Dollar und eine Lammschulter 80$ kostet. Mindestens. Die Nacht pulsiert, vor jedem Bau eine Schlange von Menschen, ab 19 Uhr verbrennt die Nacht den Tag. Man kann die 50jährigen Säcke mit den 15jährigen Huren sehen und die 60jährige aufgespritzte abgetakelte Clubveteranin. Bekiffte Hippies ziehen die Straße entlang und tanzen durch die Schlangen der Clubber, die belustigt und befremdet dem seltsamen Haufen aus Sandalen, langen grauen Haaren und abgerissenen Jeans nachschauen. Haushohe Werbetafeln versprechend Dir den Thrill Deines Lebens und die unglaublichste User-Experience. Frank Marshalls grinsendes Konterfei glotzt Dich von jeder Parkbank aus an und verspricht Dir "the real Real Estate". Dort steht ein einsamer Gitarrist der um seine Seele spielt, aber keiner hört hin.

Los Angeles ist eine dreckige Stadt. Zwischen den blendendsten Flecken findet man rostige Container voller Müll, achtlos beiseite geworfene Kleidung. Die Strommasten, sie verdienen diesen Namen nicht. Es sind Holzbalken, schief in die Erde gerammt, die in Los Angeles Elektronen verteilen. Öffentliche Mülleimer sind grundsätzlich verbeulte Rostflecken. Die Beulen in den Schilder dieser Stadt zeugen von Smog und Verschleiß.

Der Sunset Boulevard führt vom Zentrum Hollywoods durch Beverly Hills, vorbei an Bel Air, bis an den Ozean. Von den Villen in Beverly Hills sieht man kaum etwas. Ab und zu blitzt eine Ecke eines Giebels zwischen meterhohen Hecken und Mauern hervor. Bel Air ist eine gated Community, hat ein bewachtes Eingangstor, Baby. Das Gefühl von Sicherheit und Gleichheit für die, die es sich leisten können. Der Rest der Welt wird ausgeblendet oder hält Einzug per Screen. Ein Ghetto der Reichen mit Ausblick auf Los Angeles und nur einen Flügelschlag entfernt vom Meer. Was für ein Leben.