Free Culture

Weltweit sahen viele ein neues Zeitalter gekommen, in dem Informationen grenzenlos und kostengünstig allen zur Verfügung stehen werden. Sie hatten die Rechnung ohne die Rechteinhaber gemacht. Denn Firmen wie Disney, Time Warner oder Bertelsmann begriffen und begreifen diese Veränderungen in erster Linie als Bedrohung.

Das ist nachvollziehbar, bedeuten sie doch eine geringere Kontrolle über den "content", die Inhalte, mit denen sie ihre Geschäfte machen. Noch dazu geben die neuen Technologien Konkurrenten ungeahnte Gelegenheiten, in einen Markt einzudringen, den sich bisher etablierte Konzerne aufgeteilt haben. Der Erfolg der umstrittenen Peer-to-peer-Tauschbörsen zum Musikvertrieb ist dafür das beste Beispiel.

Lessig befürwortet grundsätzlich Urheberschutz und Patente. Und er macht nicht den Fehler, die Strategien der Unternehmen moralisierend zu verurteilen. Es sei nachvollziehbar, dass Firmen, die ihr bisheriges Geschäftsmodell durch technologische Entwicklungen bedroht sehen, Druck auf Regierungen ausüben, damit sie sie schützen. Nur sei es eben auch die Pflicht der Volksvertreter, dafür zu sorgen, dass dieser Schutz kein Korsett für die Fortentwicklung einer vielfältigen Kultur werde.

Genau das sei jedoch dann der Fall, wenn versucht werde, durch überstürzt beschlossene Gesetze die Interessen etablierter Unternehmen abzusichern, ohne dabei im Blick zu behalten, welche Chancen zur Innovation damit verhindert werden. Aktuelle Regelungen zum Urheber- und Patentschutz, die -- konträr zu vielen Rechtstraditionen -- Immaterialgüter durch das Recht in quasi-materiale verwandeln, zeigen, dass die Rechteinhaber derzeit weit mehr Erfolg haben als ihre Gegner, egal ob in den Vereinigten Staaten oder in der Europäischen Union. Und das, obwohl - wie bei der Klage der Causbys - der gesunde Menschenverstand revoltieren müsste angesichts vieler dieser Gesetze.

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