Worüber Medien nicht berichten

16.02.2006 Misc Politics
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Bonn (dpa) - Themen wie Korruptionsbekämpfung, Wahlmaschinen oder Giftexport sind in deutschen Medien nach Ansicht der Initiative Nachrichtenaufklärung 2005 vernachlässigt worden. Journalisten sollten mehr ihrem Instinkt vertrauen, wenn sie auf interessante Geschichten stießen, forderte die Kommunikationswissenschaftlerin Caja Thimm am Dienstag in Bonn bei der Vorstellung der zehn wichtigsten vernachlässigten Themen. Sie wurden von einer 13-köpfigen Jury aus Wissenschaftlern und Journalisten ausgewählt.

An der Spitze der Liste steht der Kampf der Vereinten Nationen gegen die Korruption. Deutschland habe sich der Konvention verweigert, und darüber sei zu wenig berichtet worden, meint die Initiative. Die Leser oder Zuschauer hätten sicher mit Interesse reagiert, sagte Thimm: "Sie hätten vielleicht auch ihre lokalen Politiker gefragt: Was macht ihr da eigentlich in Berlin?"

Die Einschätzung, dass die Stücke, die in Zeitungen gedruckt oder im Rundfunk gesendet werden, lediglich das Interesse der Öffentlichkeit widerspiegeln, ließ Thimm nicht gelten. Medien hätten unter anderem die Funktion, Themen auf die Agenda zu setzen. Das scheitere in Zeiten von Kostendruck und Personalknappheit unter anderem oft allerdings auch an den Arbeitsbedingungen.

In vielen Fällen werde der Öffentlichkeit auch zu wenig Interesse zugetraut: "Viele Hypothesen über Leser und das imaginierte Publikum sind falsch", meinte Thimm. Die meisten Vorschläge für die Liste vernachlässigter Themen würden aus der Bevölkerung eingereicht.

Auf die Liste der Top Ten setzte die Jury auch den Einsatz von Wahlmaschinen, weil Belege fehlten, den Export von Pestiziden, die in Deutschland verboten sind, Lizenzgebühren für Saatgut, die auch im Irak gezahlt werden müssen, das Abhören der digitalen Kommunikation in Europa, Probleme mit der Verwertung von Verpackungen mit dem "Grünen Punkt", die Endlichkeit fossiler Energieträger, ein angebliches Chaos bei digitalen Fahrtenschreibern für Lastwagen, deutsche Kredite für mutmaßlich umweltbelastende Projekte in Sibirien und iranische Pläne für eine Ölbörse auf Euro-Basis.

(via Newsroom)