Hysterie um Karikaturen mit Mohammed

03.02.2006 Misc #Religion

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Das ist eine ganz schlimme Sache, die sowohl in Dänemark als auch in den moslemischen Ländern total instrumentalisiert wird und nun völlig aus dem Ruder zu laufen scheint.

Das Ganze war von Anfang voll daneben, weil es keinen wirklichen Grund für die Veröffentlichung der Karikaturen gab. Es war reiner Selbstzweck und reine Provokation - und insofern ist die Aktion auch absolut abzulehnen, denn damit treibt man ja wohl keine Scherze. Und schon gar nicht zu Testzwecken.

Trotzdem haben aber jetzt alle Recht, die die prinzipielle Freiheit dieser Art der Darstellung verteidigen, denn möglich sein muss das. Hierzu eine markante Passage aus einem sehr treffenden "WELT"-Kommentar von Roger Köppel (01.02.2006): " Man sollte den Fall nicht zum Kulturkampf stilisieren, schlieülich gibt es tatsächlich eine Schamschwelle satirischer Verhunzung, die in Religionsfragen nicht überschritten werden sollte. Der von den Moslems angelegte Maßstab freilich überfordert die offene Gesellschaft. Die westliche Demokratie ist die institutionalisierte Form der Meinungsfreiheit. Es gibt kein Recht auf Satireverschonung im Westen. Gerade das Christentum ist zum Gegenstand mitleidloser Kritik geworden, zum Objekt satirischer Zerlegung, die den Triumph des Humors über den Gottesdienst markiert. Die Möglichkeit, selbst das Allerheiligste zu verspotten, ist ein Traditionskern unserer Kultur, unverhandelbar, kein Symptom des Niedergangs, wie Kulturpessimisten deuten, sondern ein Beleg für gesunde Instinkte der Respektlosigkeit. "

Bei dem Beispiel mit Mohammed als Lehrer ist einem der Zeichner übrigens ein frech-subversiver Schachzug gelungen, der alles noch viel absurder macht (die Übersetzung - die nicht in der Zeitung veröffentlicht wurde!!! - steht darunter). Dafür wiederum müssten eigentlich alle Moslems schon fast wieder applaudieren und selbst die Freiheit der Kunst und der Presse verteidigen. Aber ich fürchte, für solche Feinheiten bleibt in der allgemeinen Hysterie kein Platz.

Ich kann mich da nur den Worten des "taz"-Kommentators Robert Misik anschließen: "Man kann diesen konzentrierten Irrsinn einen 'Kampf der Kulturen' nennen. Womöglich ist demonstrative Gelassenheit aber heilsamer. Man kann schließlich auch sagen: Ach Kinder, geht nach draußen spielen."