I BET you look good on the Dancefloor!

Gepostet vor 10 Jahren, 6 Monaten in Misc Share: Twitter Facebook Mail

"Eine Band mit einem solchen Namen kann nicht weit kommen"
Liam Gallagher

Ich höre mein neues Lieblingslied, dass von zeitloser Schönheit singt. Es handelt sich um "Ageless Beauty" von den fabelhaften Stars, es ist schon die vierte Wiederholung als ich erfolglos meinen Mantel nach Nikotinstäbchen abtaste. Okay, Du musst zum Zigarettenladen, kein Problem, er ist ja nur 5 Schritte weg. Ich nehme einen Stöpsel aus dem Ohr und teile der Verkäuferin meinen Wunsch mit, der auch prompt erfüllt wird und glatte 5 Euro kostet. Ich habe leider nur 3 Zweieuromünzen, die nimmt sie aber auch. Ich drehe mich um und da steht vor mir die zeitlose Schönheit in blond. Die strahlendsten blauen Augen seit Jenny, der abweisendste Blick seit Heike. Mein Gesichtsausdruck muss so verliebt hundemäßig gewesen sein, ich muss ausgesehen haben wie ein verdammter Depp, und sie beachtet mich nicht, schade. I fucking bet you look good on the Dancefloor denke ich, während ich traurig den Laden verlassen, nicht ohne mich noch fünf mal umzudrehen. Ageless Beauty, leider nicht heute. Als ich daran denke, dass ich diesen Moment sofort festhalten kann, in meinen Worten, in meinem Blog, da muss ich grinsen. Ich kann das kurze Glück, dass dieses Engelsgesicht in meiner Seele entfacht hat für immer niederschreiben. Haltbarkeitsdatum Datenbankcrash.

So ähnlich muss es auch gewesen sein, als junge Engländerinnen zum ersten mal über Webseiten mit den Demos einer Band stolperten, die ihnen zuriefen: "Put on your Dancing Shoes, you sexy little swine". Völlige Verzückung und die Frage, wer sind diese Buben, die in superschlauen (Und das ist nicht böse gemeint! Natürlich nicht! Ihr wisst um wen es hier geht.) Texten von den Vorstadt-Fake-Stars singen, von den Frauen, die uns um den Verstand bringen, von der Musik, von Vampiren. Die Mädchen gehen zu den Konzerten ins Pub. Die Band fragt sich verwundert, wer die fremden Frauen sind, die sie noch nie gesehen haben. Und doch sind sie hier. Woher wissen sie wer wir sind? Woher kennen Sie unsere Songtexte? Egal, I see you look good on the Dancefloor.

Das Auftauchen der Arctic Monkeys, wie aus dem Nichts, sie sind plötzlich da und spielen alles vorher dagewesene einfach mal so an die Wand. Und nicht die liebe Musikindustrie hat sie uns geschenkt, kein A+R-Mensch hat sie aus ihrem Keller geholt, es waren die Fans. Sie - WIR! - erzählen ab heute den Plattenfirmen, was sie veröffentlichen sollen. Und sie werden es tun, die Arctics verkaufen zu viele Platten, als dass man den Weg den sie nahmen ignorieren könnte. Die Musikindustrie wird das Internet, und ich meine damit das FREIE Internet, als Möglichkeit entdecken. Sie muss sich fragen, warum eine Band einen jetzt schon garantierten Millionenseller landet, obwohl die Leute da draußen schon alle Songs in Dutzenden Versionen auf dem MP3-Player haben. Die Antwort ist einfach: die Arctic Monkeys sind UNSERE Band, wir haben sie uns ausgesucht, wir lieben diese Band, deshalb habe ich mir die Vinyl-Ausgabe des Albums gekauft. I mean, wie bezeichnend ist es, wenn man von den Arctic Monkeys und DEM ALBUM redet? Sagt das alles? Das sagt alles! Wenn die Musikindustrie diese Chance nicht ergreift, ist sie dümmer als ich denke. Aber ich habe schon Pferde kotzen sehen.

Pferde können übrigens tatsächlich nicht kotzen, es ist ihnen aus anatomischen Gründen nicht möglich. Dennoch kann es vorkommen, selten zwar, unter ganz bestimmten Voraussetzungen und meist unbeobachtet, daß Pferde ihr Haupt neigen und Magenflüssigkeit den Weg durch den Rachen zum Maul und von dort heraus findet. Ich habe schon Pferde kotzen sehen.

Eine Band braucht heute keinen Manager. Keinen A+R. Oder eine Plattenfirma. Wenn es ihr ernst ist, wenn sie oder Freunde das Netz kennen. Und mal ehrlich: wer kennt heute nicht jemanden, mindestens eine Person die fit ist im Web, die neuesten Entwicklungen kennt. Die Clap your hands say Yeah!, benannt nach einem Graffito auf den Mauern in der Straße ihres Übungsraumes, haben im Alleingang 20 000 selbstproduzierte Exemplare ihres Debüts verkauft. Das Bohei um die Band entstand übrigens nach einem Blogeintrag, der behauptete, David Bowie sei bei einem Konzert der Claps in New York gesehen worden. Danach war der Teufel los. Ob Bowie wirklich bei einem ihrer Konzerte war spielt keine Rolle, man höre das Album und staune. Und hofft für Bowie, dass die Story stimmt.

Ich mag diesen Quatsch auch nicht, die Buzzwords. Web2.0. Tagging. Social Software. Bäh.
Aber wenn Menschen mit diesen Werkzeugen tatsächlich Einfluß nehmen können darauf, welche Musik erfolgreich ist, wenn Firmen - nicht nur Plattenfirmen - dank ihr verstehen, was Menschen da draußen umtreibt, was ihr Herz bewegt, wenn sie sich darauf EINLASSEN, dann wird das spannend. Dann kann das tatsächlich eine Revolution von unten lostreten wie Stephan Niggemeier sie beschreibt. Die Arctic Monkeys sind ein Indiz und wir sind der singende und tanzende Beweis.

Tags: Blogs Music-Industry

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