Bindings Kinohitliste 2005

25.01.2006 Misc #Lists

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Vorbemerkungen: In die Auswahl einfließen lassen habe ich lediglich Filme, die zwischen dem 1. 1. und dem 31. 12. 2005 einen offiziellen Kinostart in Deutschland hatten. Da ich aber manche davon schon ein oder zwei Jahre vorher (auf verschiedenen Festivals) sah, kann es leider durchaus sein, dass ich den einen oder anderen schlichtweg vergessen habe. „11:14“ wäre mir daher zum Beispiel fast durch die Lappen gegangen.

Viele Filme, die ich eigentlich sehen wollte (etwa „Cowgirl“, „Reine Chefsache“ und „Antikörper“), habe ich verpasst, obwohl ich 2005 insgesamt 113 mal im Kino war. Will sagen: Es fiel wohl der ein oder andere sehenswerte Beitrag durch das Raster. Aber das geht hoffentlich jedem so. Zum ersten Mal gingen meine Kinobesuche vergangenes Jahr übrigens zahlenmäßig runter, denn 2004 waren es noch 139! Ob es an einem schlechteren Angebot, weniger Freizeit oder vermehrtem DVD-Konsum lag, kann ich leider nicht beurteilen.

Film-Hitliste 2005 (aufsteigend)

Größte Enttäuschungen (Rangliste):
- Ganz oben in der Liste steht Terry Gilliams unausgegorener und völlig zielloser Hollywood-Klamauk „The Brothers Grimm“, der trotz fantastisch phantastischer Ausstattung (raffiniert formuliert, gell?!) tierisch genervt hat und einfach nur sowas von jenseits seiner früheren Meisterwerke und auch des typischen Monty-Python-Stils war.
- Lars von Triers „Manderlay“ fand ich – mal vom Inhalt abgesehen – total überflüssig, weil er nur eine reine Wiederholung der Stilmittel von „Dogville“ präsentierte. Dass er Teil einer Trilogie ist, lasse ich hier auch nicht als Entschuldigung gelten, denn bei Lars von Trier muss die Messlatte definitiv höher liegen.
- „The Transporter – The Mission“ ist ein superübles Beispiel dafür, wie man mit einer Fortsetzung die kultige Aura eines genialen Vorgängers zunichte machen kann. Das war absolut uncoole, lächerlich überzogene Kinderkacke – und dazu sogar noch aufdringlich sexistisch. So langsam zweifle ich ernsthaft an den Qualitäten von Luc Besson, der inzwischen als Drehbuchautor und Produzent nur noch kruden Action-Megashit wie „Unleashed“ und eben das hier veranstaltet.
- Dass das „Scream“-Dreamteam mit „Verflucht“ wieder ein gemeinsames Projekt ablieferte, klang so verheißungsvoll und hätte für das Werwolf-Genre den frischen Wind bringen können, den „Scream“ für das Slasher-Genre gebracht hat; leider war es aber nur unterdurchschnittlicher Teenie-Murks mit schlecht gestalteten Werwölfen.
- „Robots“, weil das Ganze im Gegenteil zu den immer auch erwachsenenkompatiblen Pixar-Produktionen nur auf Kiddies zugeschnitten war; das schöne Retro-Design wurde zudem zu sehr für nerviges Slapstick-Gehampel missbraucht; ob schrecklicher Weise auch noch gesungen wurde, weiß ich schon gar nicht mehr – ich glaube, ich bin dabei eingeschlafen.
- „King Kong“, weil es kaum etwas Überflüssigeres gab als dieses Remake und Peter Jackson auch keine eigenen neuen Ideen und Interpretationen einbrachte; statt dessen überraschte er mich sogar negativ mit einer total reißerisch-klischeehaften Darstellung der „bösen“ Ureinwohner von Skull Island (aber siehe trotzdem noch weiter unten).
- Über „Star Wars – Episode III“ war ich eigentlich nur mäßig enttäuscht, weil ich von vorneherein gar keine großen Erwartungen mehr hatte; das lächerliche und physikalisch völlig unmögliche Brennen und anschließende „Sinken“ eines getroffenen Kampf„schiffs“ im Weltraum während der großen Schlacht am Anfang hat mir aber schon früh jegliches potenzielles Wohlwollen ausgetrieben.

Richtig geärgert habe ich mich auch über (wahllos):
- die sexistische Ausbeutung von Uma Thurman in „Be Cool“, wo die Kamera sich an ihrem nur spärlich bekleideten Hinterteil aufgeilt, während sie sich bäuchlings auf einer Liege räkelt
- die superkrude Mischung aus Härte und Kitsch in „Unleashed – Entfesselt“, weil sie diesen potenziell sehr interessanten Film zerstörte
- die beiläufig-unreflektierten Gewalttaten der Protagonisten von „Mr. Und Mrs. Smith“, die als absolut normal hingestellt werden, dadurch aber total zynisch und verharmlosend wirken
- die locker-zynische Gewaltdarstellung in „House of Wax“, vor allem das Abzwacken von verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit tastenden Fingern mit einer Heckenschere
- die visuelle Folter des Zuschauers in „Domino“, weil die höllisch schnelle Schnittfrequenz den Schauspielern gegenüber total respektlos ist und ihre Arbeit entwertet (denn man bekommt dadurch nur Schnappschuss-Eindrücke von ihren Darstellerleistungen)
- die Feigheit, die mit Macheten massakrierten Opfer in der Straßensequenz von „Hotel Ruanda" auch wirklich extrem schwerverletzt direkt ins Bild zu rücken – was eine schlimme Verharmlosung ist

Mildere Enttäuschungen (aber halt dennoch), alphabetisch:
- „Blade Trinity“ (bevor man solchen 08/15-Teenie-Shit produziert, sollte man lieber ganz aufhören und die beiden Vorgänger einfach für sich stehen lassen)
- „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (trotz des wunderbaren Johnny Depp und des schrillen Set-Designs; vor allem aber wegen der bescheuerten Musical-Szenen – Busby-Berkeley-Zitate ausgenommen – und der klischeehaften Deutschland-Darstellung)
- „Code 46“ (wenn Autorenfilmer mal Genregefilde betreten, kommt nur selten was Gutes bei rum; guter Ansatz, aber ungefähr so prickelnd wie das „Wort zum Sonntag“)
- „Elektra“ (Kinderkacke – und dabei waren ihre Auftritte doch damals die einzigen guten Szenen in „Daredevil“!)
- „Fantastic 4“ (Kinderkacke)
- „Flightplan“ (ungenutzte M??glichkeiten, Story zu bescheuert)
- „Im Feuer“ (im direkten Vergleich mit der Feuerwehr-Action in „Backdraft“ und weil es ein pathetisch-patriotischer Erbauungsfilm über amerikanische Helden war)
- „Immortal“ (billige CGI-Szenen zerst??rten die ansonsten geniale Ästhetik; die beknackte Story verhinderte eine Art zweiten „Blade Runner“)
- „Das Imperium der Wölfe“ (sinnloses Actiongetöse mit beknackter Story)
- „Die Maske 2“ (absolute Kinderkacke)
- „Miss Undercover 2“ (sozusagen die Dumpfbacken-Version des gelungenen ersten Teils)

Das Schattenreich des Sowohl-Als-Auch (gleichzeitig gut und schlecht), alphabetisch:
- „Broken Flowers“ (trotz Starbesetzung, Bill Murray und einer interessanten Story viel, viel, viel zu öde; für mich ein Rückschritt von Jim Jarmusch zu seinen Filmen vor „Mystery Train“, die ich aus demselben Ödnis-Grund alle noch nie leiden konnte)
- „Ein ferpektes Verbrechen“ (das erste Drittel ist schön bissig und entlarvend, der Rest aber leider zu dämlich und überzogen)
- „House of flying Daggers“ („Hero" hatte technisch schon alles vorweggenommen und war ästhetisch viel radikaler als „Daggers“; Letzteren empfand ich daher lediglich als weniger interessante Variante von „Hero“, und ich habe mich dabei teilweise sogar ziemlich gelangweilt – aber das zuvor Gesagte meine ich eigentlich unabhängig vom Inhalt beider Filme; eine vergleichbar geniale Szene wie die im Blätterwald konnte „Daggers“ meiner Meinung nach nicht bieten – auch wenn natürlich einiges wieder obergenial war; es lief also auf eine Wiederholung der gleichen Stilmittel hinaus; die Kämpfe – und selbst die Liebesgeschichte(n) – fand ich zudem wesentlich weniger dramatisch; lediglich bei den Toneffekten toppte „Daggers“ auf jeden Fall „Hero“ um Längen)
- „Der König von Narnia“ (die erste Hälfte ist einfach nur schön, und Tilda Swinton ist obercool böse, aber der Rest ist ein ziemlich erbärmliches „Herr der Ringe“-Ripoff für Kiddies – wenn auch zu brutal ab sechs Jahren)
- „Merry Christmas“ (vom Ansatz her okay und auch mit einigen guten Szenen, aber im Endeffekt leider viel zu kitschig und vor allem auch kriegsverharmlosend)
- „Million Dollar Baby“ (völlig überschätzt und nicht mal halb so gut wie der geniale „Mystic River“)
- „Sideways“ (sehr sympathische, aber völlig überschätzte Tragikomödie ohne cineastische Höhenflüge)
- „Vier Brüder” (die coolen Gangsterfilm-Anteile stehen kitschig-konservativen Familien-Szenen gegenüber, wodurch die ganze Mischung recht seltsam wird)
- „Wächter der Nacht“ (tolle Effekte und Story, aber eine zu locker-komödiantische Atmosphäre, die alles wieder in die Tonne tritt)

Gute Filme (mit Abstrichen und Einschränkungen), alphabetisch:
- „Batman begins“ (im Unterschied zu den meisten Superhelden, die mutieren und übermenschliche Kräfte bekommen, sehen wir hier, wie sich ein Mensch mit Hilfe von Kampfausbildung und Hightech-Gadgets selbst zum coolen Superhelden macht; außerdem eine tolle Starbesetzung und ein obercooles Batmobil im wuchtig-brutalen Hummer-Army-Style)
- „Be cool“ (wenn man davon absieht, dass es der zweite Teil von „Schnappt Shorty“ sein soll, macht er tierisch viel Spaß)
- „Constantine“ (relativ harte Horror-Action mit vielen visuellen Schmankerln und Starbesetzung – lohnt sich allein schon wegen Peter Stormare als Teufel und Tilda Swinton als Erzengel Gabriel; wunder Punkt: erzkatholisches Weltbild)
- „Der Exorzismus von Emily Rose“ (eher ein Justizdrama als ein Horrorfilm, aber gerade deswegen mal was ganz anderes; als Diskurs über Wissenschaft/ Aufgeklärtheit contra Glauben/ Übersinnliches allerdings dann doch zu oberflächlich und plakativ)
- „Final Call“ (superspannender Thriller mit Starbesetzung, der einfach Spaß machte – auch wenn er eigentlich viel zu dämlich ist)
- „Hostage – Entführt“ (knallharter, teils ziemlich böser und superspannender Thriller; zudem endlich mal wieder ein richtig guter Bruce-Willis-Film)
- „Die Insel“ (die erste Hälfte ist überraschend gut, aber dann wird das Ganze leider doch nur wieder zu einem lieblos heruntergespulten Standard-Actionthriller)
- „Königreich der Himmel“ (ambitioniertes und sehr ästhetisches Schlachtengemälde mit Star-Besetzung, das allerdings nur eine ziemlich überflüssige Art von orientalischem „Gladiator“-Ripoff ist und vor allem auch die Chance einer kritischen Stellungnahme zum aktuellen „Clash of Civilizations“ vertut)
- „Die Legende des Zorro“ (völlig sinnlos und überflüssig, hat aber tierisch Spaß gemacht!)
- „Old Men in New Cars“ (nicht ganz so gut wie „In China essen sie Hunde“, aber einfach wieder ein irrer Spaß mit vielen total absurden und krassen Momenten)
- „Saw“ (fies spannende Bereicherung des ausgelaugten Serienkiller-Genres mit einer interessanten Variante; nur die Auflösung am Ende war unbefriedigend und zu unglaubwürdig)
- „Paradise Now“ (interessante „Studie“ über palästinensische Selbstmord-Attentäter, die durchaus kritische Momente hat, sich aber gerade durch eine vermeintliche Neutralität suspekt macht, weil dadurch das Gezeigte nicht verurteilt wird; außerdem werden die Leiden der israelischen Opfer auf verharmlosende Weise im wahrsten Sinne des Wortes ausgeblendet)
- „Silentium“ (so krass und verstörend wie diesen ultragesellschafts- und kirchenkritischen Ötzi-Krimi würde ich mir gerne die deutschen „Tatorte“ wünschen)
- „Sky High“ (sympathischer und augenzwinkernder Superhelden-Film aus der Sicht der Superhelden-Kids, aber leider zu harmlos und unbeschwert)

Sehr gute Filme (ohne Abstriche), alphabetisch:
- „Corpse Bride“ (so schön kunstvoll, düster und romantisch)
- „Dear Wendy“ (böse, (US-)kritisch und sehr interessant)
- „Die Dolmetscherin“ (ambitionierter und teils superspannender Oldschool-Politthriller)
- „Garden State“ (nett, einfach nur meganett und mit schön subtilem Humor)
- „Hautnah“ (eines der schonungslosesten Beziehungsdramen überhaupt; beeindruckende schauspielerische Leistungen von Natalie Portman, Jude Law, Clive Owen und Julia Roberts)
- „Hotel Ruanda“ (erschütternd)
- „I love Huckabees“ (mehr dazu weiter unten)
- „Kiss Kiss Bang Bang“ (sehr sehr unterhaltsam und raffiniert; bissig-hintergründige Kommentierung des verkorksten Hollywood-Jetsets)
- „Krieg der Welten“ (Über Tom Cruise und die konservative Familienkacke sehe ich jetzt mal hinweg; Spielberg wollte nach eigener Aussage zeigen, wie sich die Iraker bei der militärischen Heimsuchung der Amis gefühlt haben, und das schafft er ganz eindrücklich, denke ich)
- „Land of the Dead“ (der Meister ist zuück – und immer noch schön gesellschaftskritisch; trotz langsam torkelnder Retro-Zombies noch fesselnd)
- „Maria voll der Gnade“ (aufwühlende Drogenschmuggel-Geschichte)
- „Millions“ (ein Kinderfilm von Danny Boyle? – das konnte ja nur interessant werden!)
- „Napola – Elite für den Führer“(sollte man statt dem inzwischen sogar statistisch erwiesen arg bedenklichen Hitler-Weichspüler-Streifen „Der Untergang“ zusammen mit „Sophie Scholl“ im Schulunterricht zeigen!)
- „Serenity“ (DIE Alternative für enttäuschte „Star Wars“-Fans alter Schule, denn das freche Han-Solo-Element kehrt hiermit zurück)

Geniale Filme, alphabetisch:
- „Aviator“ (glamouröse Rekonstruktion einer interessanten Hollywood-Ära und eines fanatischen Idealisten mit erlesener Kamera-Ästhetik; zum Inhalt zitiere ich die äußerst treffende Einschätzung meines ebenfalls cinephilen Bekannten André Götz: „Irgendwie bringt Scorsese die Themen Sexualität/ Perversion und Technikfaszination, Kapitalismus und Neurose, Fortschrittsglaube und Wahnsinn auf einen Nenner.“)
- „11:14“ (genial verschachteltes „böses“ Film-Experiment mit hohem Spaßfaktor)
- „Kung Fu Hustle“ (Hightech-Martial-Art-Slapstick in Vollendung)
- „L. A. Crash“ (vielleicht ein wenig zu konstruiert, aber doch sehr wirksam; ein wichtiger Film!)
- „Mathilde – Eine große Liebe“(einer der besten und härtesten Filme über den Ersten Weltkrieg, aber gleichzeitig auch noch Detektivfilm, Liebesdrama und genial ästhetische Frankophilie-Wundertüte; und wenn die Bezüge zu „Amélie“ nicht so aufdringlich gewesen wären, wäre er sogar noch eine Kategorie höher gelandet!)
- „Sophie Scholl“ (sehr beeindruckend und aufrüttelnd; ein wichtiger Film!)
- „Die Tiefseetaucher“ (mehr dazu weiter unten)

Meine absoluten Highlights 2005, alphabetisch:
- „A History of Violence“ (David Cronenbergs Comeback mit einem raffiniert hinterhältigen, augenzwinkernden und sehr ästhetischen Film über die Mechanismen der Gewalt; geniale Darsteller-Performances und schonungslos-realistische Sex- und Gewaltszenen mit Verstör-Faktor)
- „Bin Jip“ (Lehrbeispiel dafür, wie man ohne viel Worte meisterhaftes Kino machen kann !!!)
- „Haus aus Sand und Nebel“ (ungewollt driften alle Protagonisten in einen fatalistischen Strudel ab, der ihre Leben zerstört; ein wichtiger Film!; bitte beim nachträglichen Sehen beachten, dass er VOR „L. A. Crash“ produziert wurde !!!)
- „The Descent“ (intelligenter, streng zielgerichteter, megaheftiger Horror und absoluter Terror pur; wirklich nichts für schwache Nerven!!!)
- „Sin City“ (wegen der geilen Ästhetik, der kompromisslosen Härte und des obercoolen Film-Noir-Geschwafels; aber bitte nur im Originalton!)
- „The Life and Death of Peter Sellers“ (DIE Überraschung schlechthin! Genial !!!)

Explizitere Liste:
- Bester ausländischer Film: „The Life and Death of Peter Sellers“
- Bester deutscher Film: „Sophie Scholl“
- Beste Regie: „The Life and Death of Peter Sellers“ (unglaublich, aber wahr: Stephen Hopkins)
- Bester Actionfilm: „Appleseed“ (atemberaubende Kriegs- und Kampfszenen, die mit jedem Real-Film mithalten können – auch vom Look her; es ist übrigens der erste vollständig computeranimierte Animé-Film) – gefolgt von „Stealth“
- Bester Horrorfilm: „The Descent“ – gefolgt von „The Grudge“ (US-Remake), „Saw“ und „The Call“
- Beste Komödie: „Die Tiefseetaucher“
- Bester Liebesfilm (Sonder-Erwähnung): „King Kong“
- Bester Dokumentarfilm: gleichermaßen „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihm weiß“ (ein Filmemacher versucht gegen den Widerstand seiner Geschwister, die Nazi-Vergangenheit seines Vaters aufzuarbeiten) und „Rize“ (über die neuen jugendkulturellen (Tanz-)Phänomene „Crumping“ und „Clowning“)
- Beste Schauspielerin (int.): Scarlett Johansson in „Matchpoint“ – gefolgt von meinen äußerst a(ttra)ktiven und talentierten Lieblingsmädels Jeniffer Connelly (für „Haus aus Sand und Nebel“, „Dark Water“) und Naomi Watts (für „I love Huckabees“, „Ring 2“, „King Kong“)
- Beste Schauspielerin (dt.): Julia Jentsch in „Sophie Scholl“
- Bester Schauspieler (int.): Geoffrey Rush in „The Life and Death of Peter Sellers“ (nicht nur, weil er als Sellers absolut treffend und überzeugend ist, sondern auch, weil er zusätzlich immer nochmal extra in allen wichtigen anderen Rollen des Films zu sehen ist) – gefolgt von Ben Kingsley in „Haus aus Sand und Nebel“, Robert Downey Jr. in „Kiss Kiss Bang Bang“, Leonardo di Caprio in „Aviator“ (yep!), Jonathan Rhys-Meyers in „Matchpoint“ und Johnny Depp in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (in dieser Reihenfolge)
- Bester Schauspieler (dt.): André Hennicke in „Sophie Scholl“ (er spielt Roland Freisler, den Präsidenten des Volksgerichtshofs, so schauerlich gut wie Bruno Ganz 2004 Hitler) – gefolgt von Alexander Held in „Sophie Scholl“ (er verhört die Protagonistin)
- Vielversprechendste Nachwuchs-Schauspielerin: Georgie Henley (spielt in „Der König von Narnia“ das kleine Mädchen)
- Vielversprechendster Nachwuchs-Schauspieler: zwei, die allerdings beide schon länger aktiv sind, nämlich Max Riemelt und Tom Schilling (die beiden Hauptdarsteller aus „Napola – Elite für den Führer“)

Kleine Sahnehäubchen I

Meine absoluten Lieblingssequenzen des Jahres – alphabetisch und unabhängig vom genannten Film selbst:
- der Flugzeug-Absturz in „Aviator“
- In „Bin Jip“ steigen die beiden Liebenden am Schluss auf eine Waage, die daraufhin auf Null stehen bleibt – magische Poesie pur!
- wie in „Die Dolmetscherin“ plötzlich mehrere Handlungsstränge in einem Bus zusammengeführt werden, der in die Luft gejagt werden soll, ist eine begnadete und lehrbuchwürdige Meisterleistung in Sachen Spannung und Suspense!
- In „Hotel Ruanda“ wird der blutverschmierte und vermeintlich schwerverletzte kleine Sohn des Protagonisten in die Wohnung gebracht, wo man ihm in verzweifelt-hysterischer Atmosphäre behutsam die Kleidung auszieht und dann das Blut vom Körper abwischt, um nach den verletzten Stellen zu suchen; es stellt sich dabei heraus, dass es fremdes Blut war und der Junge völlig unverletzt ist – dafür aber offensichtlich aus nächster Nähe beim Massakrieren seiner Feunde und Nachbarn zusehen musste. Oberheftiges emotionales Wechselbad!
- die Trommel-Sequenz mit den fliegenden Nüssen und der Kampf im Bambus-Wald in „House of Flying Daggers“
- In „Die Insel“ fallen während einer Auto-Verfolgungsjagd auf dem Highway tonnenschwere Eisenbahn-Radachsen von einem Sattelschlepper und hauen die dahinter fahrenden Autos kaputt bzw. lösen krasse Unfälle aus. Großes Staunen und offene Münder!
- die Insekten-Attacke in der Schlucht, wie der Gorilla mit der Frau spielt (bzw. sich amüsiert) und sie sich gegenseitig „necken“, der Kampf mit den Tyrannosauren sowie die ultrapoetische Szene auf dem zugefrorenen New Yorker Teich in „King Kong“
- das Beobachten des aufziehenden „Gewitters“ und das Aufbrechen der Straße mit anschließender Tripod-Menschenjagd in „Krieg der Welten“
- das „Wunder“, als der imaginäre kugelsichere Schutzmantel tatsächlich das Mädchen rettet, und die dramatische Bergung des hysterischen Unfallopfers durch seinen verhassten Peiniger in „L. A. Crash“
- die Kamera-Einstellung in „Mathilde – Eine große Liebe“, die zeigt, wie ein Kampfflieger mit einer Handgranate vom Himmel geholt wird, sowie die Explosion der Zeppelin-Hölle über dem Lazarett
- alle Heiligen-Erscheinungen und die Gespräche des Jungen mit ihnen in „Millions“
- In „Old Men in New Cars“ verbeißt sich ein Wachhund genau in dem Moment am Bein eines Gefängnis-Ausbrechers, als dieser und sein Helfer mit einer Art Bungee-Seilwinde aus dem Gefängnishof katapultiert werden, sodass der Hund mitfliegt, dadurch die drei aber zu schwer sind, zu tief fliegen und schließlich an einem Zugwaggon hängenbleiben (der Hund fällt erst jetzt ab und ist danach tot!).
- In „Silentium“ sehen wir dabei zu, wie auf quälend lange und realistische Weise ein an den Händen gefesselter Priester (es ist Joachim Kròl !!!) mit einer Tüte über dem Kopf erstickt (wird). Nur Hitchcocks legendäre Mord-Szene in „Der zerrissene Vorhang“ ist noch vergleichbar!
- der Anfang vom Abspann in „Sophie Scholl“ mit den Original-Fotos von Sophie Scholl als unbeschwerte junge Frau in lockeren Freizeit-Momenten (das haut voll rein!)
- die Operation von Anakin Skywalker, als er in „Star Wars – Episode III“ zu Darth Vader wird, die schwarze Maske aufgesetzt bekommt und dann nach einer Kunstpause das berühmte Röchel-Atemgeräusch zum ersten Mal von sich gibt (Gänsehaut pur – vor allem durch raumfüllenden Mehrkanalton!)
- Peter Sellers (Geoffrey Rush), der in „The Life and Death of Peter Sellers“ seine von ihm verhasste Mutter am Set von „Dr. Seltsam“ als eben dieser Dr. Seltsam empfängt und ausschließlich aus seiner Rolle heraus mit ihr kommuniziert und sie damit gezielt irritiert und demütigt.
- „Wächter der Nacht“: wie die Kamera das Herabfallen einer Schraube aus einem Flugzeug bis in die Wohnung einer Person verfolgt sowie die komplette zweite Anfangssequenz, die in einer Wohnung einer alten Frau spielt, in der der Protagonist eine Art Voodoo-Zauber vollziehen lassen will und dabei zum ersten Mal auf die Wächter trifft

Kleine Sahnehäubchen II

Sonderpreise für die bizarrsten Filme des Jahres:
- „Die Tiefseetaucher“ (diese starbesetzte und liebevoll augenzwinkernde Perle superskurrilen Humors sollte man einfach gesehen haben, wenn man mal eine Überdosis cineastisches Absurdistan kennen lernen möchte – man kann den Film nur lieben oder hassen)
- „I love Huckabees“ (fast überall wurde diese fälschlicher und sinnloser Weise mit „I heart Huckabees“ betitelte, ziemlich durchgeknallte Psychotherapie-Komödie mit verständnislosem Kopfschütteln bedacht, dabei hat sie nur eine seltsam-bizarr anmutende Oberfläche und bietet darunter bestechend wahrhaftige Klarsicht sowie anspruchsvoll-philosophischen Tiefgang – und ist allein schon von der Besetzung her absolut sehenswert!)