Jarhead machts möglich

Schon den etwas anderen (Anti-)Kriegsfilm „Jarhead“ gesehen? Das Interessante daran ist vor allem, dass es sich laut Regisseur Sam Mendes eigentlich um einen „Nicht-Kriegsfilm“ handelt - weil die Soldaten immer nur auf den Kampf warten (müssen).

Es gibt darin eine besonders faszinierende und beängstigende Sequenz, in der sich US-Soldaten während ihrer Ausbildung in einem Kino zusammen Coppolas „Apocalypse Now“ ansehen und beim berühmten „Walkürenritt“-Hubschrauberangriff völlig euphorisch aus dem Häuschen geraten.

Der Autor der Romanvorlage, der darin seine eigenen Erlebnisse während des ersten Golfkriegs beschreibt, hat zu dieser Szene eine höchst interessante Anmerkung: „Ganz egal, wie die Botschaft eigentlich lautet oder was Kubrick, Coppola oder Stone sagen wollten. Kampf, Vergewaltigung, Krieg, Plünderung, Brand. Filmbilder von Tod und Verwüstung sind Pornografie für den Soldaten; sie reiben seinen Schwanz und kitzeln seine Eier mit der rosa Feder der Geschichte, geilen ihn auf für sein erstes Mal.“ Ich fürchte, dass das so stimmt.

Interessant finde ich auch, dass laut Mendes von den mehr als 200 Schauspielern und Statisten aus dieser Szene nur zirka 30 „Apocalypse Now“ kannten. Hallo?!?

Dies aber nur am Rande, denn worauf ich eigentlich hinauswill, ist folgender geniale Gedanke über die Verwischung des Unterschieds zwischen Fiktion und Realität, den Jakob Augstein in seiner ZEIT-Filmkritik zu „Jarhead“ hatte: "Wahrscheinlich sehen sich im Irak gerade jetzt amerikanische Soldaten amerikanische Soldaten an, die sich amerikanische Soldaten in Vietnam ansehen, um dann einen Krieg fortzusetzen, über den gewiss bald ein Film gedreht werden wird". Holla!

„Jarhead“ macht's sozusagen möglich. Es ist aber (trotzdem) ein absolut sehenswerter Film - auch wegen seiner teilweise fast schon surrealen Atmosphäre, der beiden Hauptdarsteller und dem ziemlich fetten Soundtrack.