Millennium Music

Wer Zeit und Muße hat und sich genug für die Themen Musik, die Zukunft der Musik und die Musikindustrie interessiert, und dann mal eine oder zwei Stunden investiert und recherchiert, dem wird schnell klar, warum und vor allem DASS die herkömmliche Musik-Dinosaurierindustrie so nicht mehr lange überleben wird. Nicht weil sie zu groß sind, nur sind die Musikverlage heuer in höchstem Maße unkreativ und lehnen gute Musik mit der Begründung ab, sie sei zu hip. Da haben wir es schwarz auf weiß, die Major-Labels geben damit offen zu, eine erzkonservative traditionalistische Baggage zu sein, was mit meinem Verständnis von Kunst, Musik und Kreativität ungefähr soviel zu tun hat, wie dieser Blogeintrag mit dem Obst- und Gartenbau-Verein Bad-Salz-Ufflen, nämlich gar nichts.

Dabei brodelt es, und zwar im Netz:
Die Erfolge der Arctic Monkeys gründen auf einer Fangemeinde, die man noch vor jeder Veröffentlichung im Web aufgebaut hat. Eine Band wie Clap your Hands say Yeah werden zum Blog-Geheimtipp, veröffentlichen ihr Debüt im Eigenverlag und begeistern Musikfans weltweit. Man gönne sich den wunderbaren wöchentlichen Radio Clash Podcast, der Mashups zum Thema hat oder einen MP3-Blog-Aggregator wie The Hype Machine, der MP3s im Minutentakt ausspuckt, darunter Juwelen wie das Bob Marly-Cover von Johnny Cash & Joe Strummer „Redemption Song“. Ich sehe solche tollen Sachen und frage mich dann, bei wem die Herren EMI, Sony, Warner und Universal denn bitteschön noch punkten wollen mit Weicheiern wie James Blunt, Schlampen wie Xtina, Dumpfbacken wie den Pussycat Dolls oder Prollos wie 50-Cent? Wem wollen sie ihre Produkte Künstler denn verkaufen, wenn deren Output fünfmal verschlüsselt und nur auf 2 von 10 Wiedergabegeräten abgespielt wird, und dann obendrein noch einen Virus auf der Festplatte installiert? Selbstverständlich werden sie immer eine Klientel behalten, die zu doof für das Web oder zu desinteressiert an Musik ist. Menschen denen es egal ist, was sie hören. Die können sie auch behalten, meinzwegen. Für tolle Champagnerparties dürfe das dann aber nicht mehr reichen.

Ach, DJ Earworm sagt's irgendwie viel schöner: „No one takes your freedom“!