Ein großer, überflüssiger Liebesfilm

Peter Jacksons "King Kong"-Remake hinterlässt einen total zwiespältigen Eindruck: Einerseits kann man dem Film und dem Regisseur nicht böse sein, weil da ein Fan einem großen Klassiker eine liebevolle Hommage beschert hat, die sehr sehr nah am genialen Original bleibt. Andererseits ist solch eine Neuverfilmung aber völlig sinnlos, weil sie - abgesehen von den Modernisierungen hinsichtlich der Kinotechnik - überhaupt nichts Neues aussagt. Vor dem Hintergrund des Riesen-Aufwands (Stichwort: penible CGI-Rekonstruktion des New Yorks der dreißiger Jahre) und der immensen Kosten dieser Produktion ist das eigentlich sogar schon pervers. Apropos: Manche Animationen und Tricksequenzen sind einfach nur schlecht und lächerlich.

Zudem hat Jackson diesmal irgendwie nicht richtig ans Publikum gedacht und am Anfang des Films zuviel Zeit damit verschwendet, den dreißiger Jahren und der damaligen Situation von Filmschaffenden cineastische Referenzen zu erweisen. Das ist zwar ehrenhaft und ganz nett, aber auch eine Erklärung dafür, dass der Film beim Mainstream-Publikum floppt. Die Jugendlichen in meiner Vorstellung waren jedenfalls die erste Stunde göttlich gelangweilt und haben sich die Zeit mit Pöbeleien und Popcorn-Rumgewerfe vertrieben.

Aber es gibt natürlich auch Gutes: Actionmäßig punkten vor allem King Kongs Kampf mit den drei Tyrannosauren sowie der Insekten-Angriff auf die Kerle in der Schlucht. Und dann gibt es noch zwei poetisch-geniale "Intim-Szenen" mit King Kong und der Frau, die das Ganze zu einem großen Liebesfilm machen: in der einen "spielt" King Kong mit ihr und "lacht" über ihre Tanzvorführungen, in der anderen "necken" sie sich auf einem zugefrorenen See und rutschen darauf herum. Sehr schön ist auch immer wieder, wie King Kong sich beruhigt und besänftigen läßt, sobald er „sein“ Mädchen erblickt.

Am bemerkenswertesten finde ich Jacksons Versuch, gewisse Aspekte sehr "realistisch" rüberzubringen. Zum einen sticht hier die panische Saurierflucht durch die Schlucht hervor, die einfach nur erbarmungslos ist (vor allem für die Riesen-Saurier, die am Ende rumkugeln und abstürzen wie die Lemminge), allerdings bei vielen Kinozuschauern in meiner Vorstellung Kopfschütteln verursachte ("Hä, was geht denn jetzt ab?" und so). Zum anderen hat Jackson sogar die physikalischen Auswirkungen auf einen kleinen Körper berücksichtigt, der extrem beschleunigt und rumgewirbelt wird (= die Frau in King Kongs Hand). Ich finde sogar, dass sie unbedingt noch hätte kotzen müssen!

Abgesehen davon müßte ein zeitgemäßes Remake von "King Kong" meiner Meinung nach aber mindestens zwei Kriterien erfüllen: Erstens müßte es extrem brutal und rüde sein (= Splatter und absoluter Terror), um diesen wild-animalischen Aspekt provokant in den Vordergrund zu rücken - auf mich wirkt das Original heute noch härter! Und zweitens müßte es eine modern angepasste Message transportieren, wobei sich die Weltpolitik oder das Verhältnis Mensch/Natur heutzutage geradezu aufzwingt.

Vielleicht wäre es aber auch einfach nur besser gewesen, das Original unangetastet auf seinem Thron triumphieren zu belassen.