Heimspiel

15.12.2005 Misc #Live #Punk

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Die 20 Minuten bei Johnny waren ja ein schönes Zuckerli, vom Label gabs die komplette DVD „Heimspiel“ umsonst. Dazu die Unplugged CD. Auch nett. Der Job hat ein paar nicht von der Hand zu weisende Vorteile.

Die Hosen also. Institution im deutschen Rock. Von anderen gerne in den Topf geworfen mit Westernhagen und den Scorpions. Von mir nicht, dem Artikel auf Spreeblick muss man nichts hinzufügen. Oder doch?

Schon Thees Ulmann schrieb im Musikexpress, jeder hätte eine Geschichte zu den Hosen. Jeder. Mein allererstes Konzert ever war ein Konzert der Hosen. Damals, zu Zeiten der Roten Rosen („Never Mind the Hosen, here are the Roten Rosen“) und „Hier kommt Alex“ so mit 14 oder 15. Damals, als Metallica gerade mit „One“ in den Mainstream aufbrachen, damals als man keinen Plan von Mucke hatte. Nur wusste: es muss knallen, es muss laut sein. Damals, als ich neben guten (AC/DC, Metallica, Dead Kennedys, Ärzte) auch ganz furchtbare Sachen (Blind Guardian, Helloween, Warlock) hörte. Damals, als ich noch keine Ahnung hatte, dass schon in naher Zukunft ein Genre namens Techno den demokratischen Charakter des Punk beerben und jedem, leider wirklich jedem, Instrumente an die Hand geben würde.

Wir gingen damals also auf unser erstes Konzert. Ein Hosen-Konzert. Ich habs mit meinem Kumpel Alex (sic!) damals ganze 15 Minuten vor der Bühne ausgehalten. Der erste Sturz auf den Boden war noch auszuhalten, beim zweiten floß Blut, ich fraß Staub und wir beschlossen, uns auf die Ränge zurückzuziehen. Für echtes Pogo war und bin ich nunmal zu klein gewachsen. Mit 174 Zentimetern (heute!) gegen unterhemdverschwitzte Opelgangmitglieder, das war für uns nicht zu schaffen, auch nicht zu zweit.
Also gings ab auf die Ränge. Von dort sahen die Hosen zwar etwas schmächtiger aus als von weiter vorn, dafür sah man mit nicht wenig Stolz, aus welcher brodelnden Hölle man da eben entkommen war. Vorhang auf für ein kleines bischen Horror-Show: die Halle kochte. Nachdem die Roten Rosen dann auch ihre Anzüge abgelegt hatten und schließlich als Hosen die Menge anpeitschten gab es auch für uns kein Halten mehr. Wir wagten uns zurück in die Halle und schafften ohne weitere Blessuren ein paar Pogorunden in den hinteren Reihen.

Nach dem Konzert holte uns Alex' Papa mit seinem neuen Opel Omega - ohne Fuchsschwanz - vor der Offenbacher Stadthalle ab und wir hörten trotz klingelnder Ohren nochmal die aktuelle Platte der Hosen auf dem Kassettenteil in Papas Autoradio. Eine Kopie übrigens, hergestellt vom Kumpel nebenan, was damals niemanden wirklich gejuckt hat. Und ich frage mich, wo die Institutionen von heute wohl wären - ohne unser Recht auf Kopie.

„Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft! Ich glaube das die Welt sich nochmal ändern wird und dann Gut über Böse siegt!“
Die Toten Hosen „Wünsch Dir was“

Dank Dir, Patrick.