Jobvermittler vom Bayerischen Rundfunk

Zwei Krawattenanzüge stehen sich im Bayerischen Rundfunk gegenüber und schauen mit fiesen, ernsten Gesichtern in die Kamera. So dieses Heißer-Stuhl-Explosiv-Bizz-Gesicht. Also ganz schlimm. Warum die wohl solche Gesichter aufsetzen? Wegen der allgemeinen Lage auf dem Arbeitsmarkt? Wegen Stoiber? Weil ihnen die Krawatte die Luft abdrückt? Ich weiß es nicht. Sie reden sehr viel und sehr förmlich über Bewerbungen, Arbeitssuche und die Fußball Weltmeisterschaft, es handelt sich um Business-Fernsehen. Doch! Im BR!

Im Hintergrund leuchtet auf schreiendem Orange in weiß gesetzten Versal-Lettern: „ERFOLG“. Dann noch dieses große weiße Ausrufezeichen: ! Vielleicht auch deshalb die vergrämten Gesichter: Erfolg und Moderator einer morgentlichen Sendung beim BR zu sein, das sind ja diametrale Gegensätze. Genauso wie Erfolg (ERFOLG!) und die Deutsche Nationalmannschaft (Achtungserfolg!). Oder Songwriting und Dieter Bohlen. Der Geheimtipp der zwei Kampfkrawatten für den ganz normalen Hatz IV-Empfänger jedenfalls: „Versuchen Sie es doch mal bei Ihrer Arbeitsagentur!“ Die, na klar!, die senkt mal schnell die Produktivität nationwide, sperrt Innovationsgedöns in den Keller und schwupps: hamwa wieda Vollbeschäftigung, der Konsum springt an und alle hüpfen froh durch die winterlichen Straßen Deutschlands. Wie nett.

Apropos Vollbeschäftigung: „Bei der WM wird man nicht in Kontakt mit Fußballstars kommen, aber man kann einen Job als Führer ergattern.“ Ronaldiño also mal eine Komplettkiefererneuerung verpassen: ist nicht drin. Dieser Führer (Federal Soccer World Championship VIP Guide) darf dann vielmehr die Äingie, den Stoibi und den Gerd und die ganzen anderen VIPs und MIPs auf die Tribünenplätze tragen und mit der anderen Hand könnte er ja noch für das exquisite Catering sorgen: Hummer und Sekt für die Orgien in den Privatlogen, Filme vom Dieter auf Gracia gibs danach kostenlos per Torrent, freihaus sozusagen. So viel Flexibilität erwarten wir ja schon von unseren Angestellten, immerhin gibs 2 Euro pro Stunde, ich könnte ja auch Ein-Euro-Jobber... aber weiter: „Die meisten werden aber in den Fan-Parks vor dem Stadion arbeiten, bei den Leuten die keine teuren WM-Tickets haben.“ Heißt: Gabi wird sich zur Sicherung ihres Hartz IV-Euros von besoffenen Rumänen mal gehörig in den Po kneifen lassen müssen um mit den 8 Maß Bier die hintere Bank mit den 12 Chinesen zu erreichen, die zwar einen bayerischen Hut aufhaben, dafür aber höflich sind. Horst allerdings, der BWL-Student aus gutem Hause, der mal eben sein Praktikum bei Andersen unterbricht und zufällig mit dem Chef des Frankfurter Sportbeauftragten verwandt ist, der wird die Politprominenz zur Loge geleiten und knüpft so schonmal ganz nebenbei Kontakte für zukünftige Lobbyeinsätze. Aber hey, Glück gehört nunmal dazu!

Personalheinis stehen übrigens ab sofort auf meiner Liste, zusammen mit den Bänkerspastis, Marketingfuzzis und Versicherungsmongos. Ich freue mich schon sooo auf den WM-Song!