Verkehrsberuhigte Zone

16.11.2005 Misc
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Heute morgen wars bei mir sehr knapp. Also SEHR knapp.

Meinereiner ist ja lieb zu Umwelt und Regenwald und fährt daher mit dem öffentlichen Nahverkehr zum Job nach Frankfurt. Oder auch: weil ich kein Lappen hab, hetz ich im Winter durch die Scheißkälte zum Zug.

Meine Straße ist eine verkehrsberuhigte: nur Schrittgeschwindigkeit, liebe Kraftfahrzeuglenker. Das ist auch berechtigt, da gibs nix, denn hier wohnen viele eigenheimzulagengesponsorte junge Familien mit Kids, eine vom Aussterben bedrohte Art also, die samt Nachwuchs geschützt werden will und soll. Als ich nun heute morgen durch dieses artengeschützte Humanbiotop hetze, weil ich sehr, also SEHR spät dran bin, kommt mir da so ein in Schrittgeschwindigkeit fahrendes Kraftfahrzeug im 90 Gradwinkel entgegen und ich sehe schon aus 200 Meter Entfernung: unsere Wege werden sich kreuzen, nur Du und Ich um 9 Uhr morgens im Niemandsland von Wolfskehlen.

Meinen Schritt zu verlangsamen und das Auto, das mittlerweile NOCH langsamer fährt - eigentlich steht es ja schon fast auf der Stelle, man muss wirklich sehr genau hinschauen, um zu sehen, das es fährt* -, passieren zu lassen würde wertvolle Zeit verplempern, für verkehrberuhigte Familienkutschen. Denn eigentlich fährt so ein verkehrsberuhigtes Auto ja gar nicht, es gleitet eher. Das rollt in unglaublicher Langsamkeit einfach so dahin, man nimmt die meist gar nicht war. Jedenfalls kann ich mir solche Langsamkeit heute morgen nicht leisten, auf gar keinen Fall. Teammeeting mit Kollegen aus Amerika, wichtig. Also setze ich zum leichten Galopp an, um noch vor dem Auto die Querstraße überqueren zu können. Das klappt auch wunderbar und sitzt und passt und wackelt und hat Luft und dann... dann...

Dann HUPT die Sau! H-U-P-T!
In meiner Straße!

Den letzten Satz betonen und lesen Sie bitte, als ob ihn Al Pacino in Scarface sagen würde, also so: In meiner Straße! Da hätte ich ja auch gerne wie Scarface die MGs ausgepackt und wild ballernd „Kommt doch her! Kommt doch her! Mir kann keiner was!“ geschrien. Nur leider hatte ich heute morgen keine MG bei mir, und so blieb mir ob der weiterhin unbarmherzig wegtickenden Zeit nur, meinen Weg fortsetzen.

In solchen Momenten denke ich, wir bräuchten hierzulande auch mal so eine National Riffle Association, die sich für Pump-Guns in für jedermann zugänglichen Pumpgun-Automaten einsetzen. Dann denke ich aber auch gleich wieder, Och, lieber doch nicht, man weiß ja wohin das führt und Zack, haben wir hier auch dicke Michael Moores, die sich mit Kamera bewaffnen, die Gegend unsicher machen und auf der Echo-Verleihung dann „Schämen Sie sich Frau Merkel, Herr Schröder, Herr Stoiber, Sie Gschmeiß“ rufen. Was ja jetz gar nicht soooo... Aber ich schweife ab.

Die Frau hintem Steuer hat ja auch nicht wirklich aggressiv geguckt, ich glaube, sie war viel eher über sich selbst erschreckt. Vielleicht hat sie sich auch vor mir erschreckt, wie ich da so rücksichtslos an ihrem Auto vorbeispurte. Sie war unter Umständen in so einer verkehrsberuhigten Kraftfahrzeugtrance. Aus der ich Arsch sie so unsanft gerissen hab in meiner Hektik. Da kann einem natürlich schonmal die Hand repektive die Hupe ausrutschen. Vielleicht ist sie ja auch einfach eingenickt und mit dem Kopf auf die Hupe geknallt. Ich weiß es nicht.

Ich hab ihr trotzdem im Rückwärtsgehen den Stinkefinger gezeigt.
Nicht in MEINER Straße, Mädchen!
Den Zug hab ich übrigens noch gekriegt. War aber knapp. SEHR knapp.

* In Poltergeist, diesem Film, in dem die brutalen Szenen von Tobe Hopper und die fantastischen Szenen von Steven Spielberg gedreht wurden, gibt es diesen Dialog in dem einer der Parapsychologen die Geschichte mit dem von Geiserhand bewegten Spielzeugtruck erzählt: „2 Meter in 8 Stunden! Das war fantastisch!“
So genau schauen, meine ich.