Krieg der Welten

wotwWas für ein Film! Ich hätte niemals gedacht, dass der Herr Spielberg solch einen Film nochmal hinbekommen würde.
Hart wie der weiße Hai und beklemmend wie damals Duell ist das, was der Alienweichzeichner (ET, Close Encounters) als persönliches Kontrastprogramm da auf die Leinwand gebannt hat: eine Zerstörungsorgie, die die Auflösung des menschlichen Körpers nicht in Metaphern darstellt (wie eigentlich alle Splatterfilme) sondern im Wortsinne darstellt - Menschen werden hier en Masse zerpulvert - und die Roland Emmerich ja schon immer drehen wollte, so aber nie hinbekam.
Überhaupt Auflösung: Spielberg zeigt hier die Auflösung nicht nur der einer menschlichen Gesellschaft, sondern des kompletten zivilen Zusammenlebens: wenn der Mob Tom Cruise ein Auto abjagt, woraufhin der Abjagende das Auto abgejagt bekommt und der nächste erschossen wird und der Mob schließlich halb auf dem Auto liegend halb mitgeschliffen weiterzieht. Noch dazu kommt der konsequente Einsatz der Froschperspektive: der Zuschauer sieht das ganze Geschehen ausschließlich aus Tom Cruise's Sicht. Bunkert er sich in einem Film ein, bleibt die Kamera immer an diesem Ort. Dies erreicht eine klaustrophobische Wirkung, wegen der die Monstren noch viel monströser wirken.
Der 11. September ist in diesem Streifen natürlich omnipräsent: Wenn Cruise am Anfang (der Film braucht tatsächlich nur wenige Minuten bis zur ersten Marsattacke!) vor den Dreibeinern davonläuft, rechts und links von ihm Menschen in Staub aufgehen, der ihn dann vollständig bedeckt, denn sieht man natürlich die weißen Gesichter durch die Schluchten des verwundeten Manhattans irren.
Und wenn die Marsmaschinen ihr Ankommen mit einer Art Nebelhorn ankündigen wirkt das selbstverständlich wie der böse Nachhall aus der unheimlichen Begegnung der dritten Art, in der die Aliens Tonfolgen zur Kommunikationsaufnahme verwendeten.
Großes Kino!
Der Anhalter war ganz nett, aber nicht mehr.